Gehe zu Teil 3 “Mangel an Aufklärung”
Kleio ignorierte die neugierigen Blicke derjenigen, die die Söldner „Fiddler“ nannten, aber es beunruhigte sie, dass die neugierige und hyperaktive Technikerin ein besonderes Interesse an ihrer Tarnidentität entwickelt hatte. Aufgrund ihrer ständig wechselnden Besetzungen war es notorisch einfach, sich in eine Söldnerkompanie der „Brawler“ einzuschleusen, aber das bedeutete nicht, dass es ohne Risiko war. Dies war nun schon das dritte Mal, dass sie versuchte, die Operation dieser Truppe zu manipulieren, und früher oder später musste einfach etwas schiefgehen.
Kleio hatte ohnehin schon mehr Zeit als gewollt gebraucht, um sich wieder in Position zu bringen. Sie wusste, dass Saladin den Druzen in der geheimen Forschungseinrichtung von Bureau Lakshmi ohne ihre Hilfe begegnet war, aber die Zeit war einfach zu knapp gewesen. Sie widmete Ilya einen kurzen Gedanken und fühlte sich überraschend erleichtert, dass er bei diesem Gefecht nicht verletzt worden war.
Als sie sich den Koordinaten näherten, an denen Ruby Monday angeblich ihr Versteck mit Xenotech-Artefakten angelegt hatte, gab der Lieutenant den Befehl, auszuschwärmen und das Gelände zu sichern. Für Kleio sah es aus wie die Überreste einer riesigen Kuppel, die eingestürzt war und das Gebiet mit Trümmern übersät hatte. Sie entfernte sich von der Gruppe und schlüpfte hinter ein altes Mauerstück, das noch aus dem Boden ragte. Aus den Augen, aus dem Sinn – vielleicht würde die Technikerin aufhören, sich um sie zu sorgen.
Ein surrendes Geräusch strafte diese Hoffnung Lügen, als zwei von Fiddlers seltsamen „Jackbot“-Drohnen um die Ecke gerollt kamen und ihre visuellen Sensoren – und ihre Schrotflinten – auf Kleio in ihrer Brawler-Verkleidung richteten.

„Hey, du!“, ertönte die Stimme aus dem Lautsprecher eines Jackbots, aber es war eindeutig Fiddler. „Was machst du da draußen?“ Der Tonfall war unbeschwert und jovial, aber Kleio ließ sich keine Sekunde täuschen.
„Ich sichere nur die Zugangswege, wie befohlen“, antwortete sie.
„Hm. Ganz schön nah am Supply Cache dort, was? Würde es dir was ausmachen, kurz deinen Helm abzunehmen? Dein Gesicht kam mir vorhin ein bisschen bekannt vor, aber ich habe keinen guten Blick darauf erwischt.“
Kleio fluchte innerlich. Es gab keine Möglichkeit mehr, ihre Verkleidung über diesen Punkt hinaus aufrechterzuhalten. Und die beiden Bots waren ein Problem, da ihr Controller außer Reichweite war. Konnte sie beide ausschalten und überleben? Ihre Vulkan-Schrotflinten waren tödlich.
Mit einer fließenden und schnellen Bewegung nahm Kleio ihre eigene Schrotflinte von der Schulter, riss sie hoch und schoss den ersten Jackbot in Fetzen. Sie versuchte, sowohl auszuweichen als auch sich zum zweiten herumzudrehen, aber sie war nicht schnell genug. Die Mündung blitzte auf, und sie spürte den Einschlag des Schusses auf ihrem Oberkörper, der ihr den Atem raubte. Dann explodierten die Vulkan-Schrotkugeln in einer Kettenreaktion und brannten sich tief in ihr Inneres. Sie versuchte, die Schrotflinte erneut zu heben, um den zweiten Bot zu zerstören, aber ihre Finger wurden taub und die Waffe glitt aus ihrem Griff. Sie sackte zu Boden, und als ihre Sicht verblasste, hörte sie Fiddlers nicht ganz mitleidlose Stimme: „Das war eine dumme Aktion.“
Ilya versuchte, die Hunzakut-Späher nicht weit vor ihm auszumachen. Er wusste, dass es zwei waren, und er glaubte nicht, dass sie irgendeine quantronische Tarntechnologie benutzten, aber er konnte trotzdem keinen von ihnen sehen. Er fühlte sich unzulänglich. Dies war sein Heimatterrain. Er hatte schon als Kind in dieser Art von Xeno-Ruinen herumgestöbert. Dennoch bewegten sich die Hunzakut wie lautlose Schatten durch die zerstörte Kuppel, sodass er im Vergleich dazu wie ein tollpatschiger Idiot wirkte. Sie waren Jäger, und sie waren auf der Pirsch, um sich an jene Megabestie heranzuschleichen, die sich irgendwo da vorne im Zentrum der Ruine verstecken musste.
Er hörte etwas. War das ein Atmen? Schwer, langsam, regelmäßig. Sehr schwer. Ein Hunzakut tauchte auf, wo zuvor keiner gewesen war, und huschte lautlos auf einen riesigen Trümmerhaufen zu. Der Jäger zwängte sich in die Trümmer, nur um wenige Sekunden später wieder aufzutauchen. Er hielt etwas in der Hand, eine Art Behälter, und drehte sich um, um sich wieder auf Ilya zuzubewegen. Dann ertönte ein Knurren aus den Trümmern, Felsen verschoben sich, Steine stürzten herab und etwas Riesiges erhob sich hinter dem Hunzakut.
Ilya sah riesige Reißzähne und Klauen, zwei Paare kleiner, glitzernder Augen und einen gewaltigen, muskulösen Körper, der an eine Raubkatze der alten Erde erinnerte – aber viele, viele Male größer. Wenn es sich bewegte, öffneten und schlossen sich Spalten zwischen seinen Muskeln und gaben den Blick auf eine unheimliche Biolumineszenz darunter frei, die von außerirdischem Ursprung und vielleicht von Modifikationen zeugte. „Bubbles!“, schoss es Ilya durch den Kopf – der aberwitzige Name, den Ruby Monday der Kreatur gegeben hatte, die ihr Versteck bewachte.
Der Hunzakut erstarrte, als er bemerkte, dass er Bubbles aus dem Schlaf gerissen hatte. Die Bestie witterte und fixierte ihre Knopfaugen auf den Menschen, der sie bestohlen hatte. Sie spannte ihren Körper an, bereit zum Sprung.
Ilya sah, wie die zweite Hunzakut aus dem Schatten auftauchte, direkt links von der Bestie. Es war eine Frau, und sie schlich sich furchtlos direkt hinter das Biest und zog ein weiteres Artefakt aus den Trümmern. Sie bewegte sich so geschmeidig und lautlos, dass Bubbles ihre Anwesenheit nicht bemerkte und die Aufmerksamkeit auf den ersten Dieb gerichtet hielt. Langsam wich sie zurück und versuchte, sich außer Reichweite des Tieres zu bringen.
Ilya hielt den Atem an und erwartete jeden Moment, dass Bubbles losspringen würde, doch dann sah er aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Ein Mann in schwerer, klobiger Rüstung kam krachend um ein großes Ruinenstück gebogen. Einer der „Digger“, die sich an die Druzen verdingt hatten. Er hielt ein Kettengewehr in den Händen, und Ilya wusste, dass diese brutale Waffe den Bereich vor ihr beim Abfeuern mit geschmolzenen Metallsplittern füllen würde. Beide Hunzakut warfen sich zu Boden, um aus der Schusslinie entkommen, aber Ilya stolperte, stürzte und schlug mit dem Kopf auf ein Felsstück auf. Über ihm explodierte die Luft in Hitze, Feuer und Metall.
Das Letzte, was Ilya sah, war die gewaltige Gestalt von Bubbles, die durch die Luft sprang, und wie sich ihre Kiefer um den Körper des Diggers schlossen und ihn glatt in zwei Hälften bissen. Dann verlor er das Bewusstsein.







