Ringkrieg 2. Edition – Brauch ich die?

Viele Fans des Ringkriegs, die schon die 1. Edition des Spiels besitzen, stehen jetzt vor der Frage, was sie mit der 2. Edition machen. Ist sie es wert, ein komplett neues Spiel zu kaufen? Wie sieht es mit der Erweiterung aus? Ist sie kompatibel mit der 2. Edition? Was hat es mit dem dem „Upgrade Kit“ für die 2. Edition auf sich? Und was ist, wenn ich sogar die Collector’s Edition habe? Ich will versuchen, im Folgenden die wichtigsten Fragen dazu zu beantworten, um allen ausreichende Fakten für eine Antwort (die sich jeder selbst geben muss) an die Hand zu geben.

Anmerkung: Mir liegt zur Zeit, neben der elektronischen Version der deutschen Regeln und der letzten Korrektur-Fassung der Karten, die englische Ausgabe der 2. Edition vor. Alle Hinweise zum Material beziehen sich darauf. Da die deutsche Ausgabe aber im selben Durchlauf wie der Reprint der englischen produziert wird, erwarte ich, dass es in dieser Hinsicht keine Unterschiede geben wird.

Was hat sich von der 1. zur 2. Edition geändert?

Der neue Spielplan

Der neue Spielplan

Vorneweg sollte ich sagen, dass das Spiel grundsätzlich das gleiche geblieben ist. Wer die 1. Edition kennt, wird sich auch im neuen Ringkrieg schnell zurecht finden. Die Unterschiede sind entweder kosmetisch oder liegen in den Details.

Die Änderung, die als erstes ins Auge springt, ist der neue Spielplan. Er ist genauso groß wie der alte, benutzt aber die neue grafische Gestaltung, die schon in der Collector’s Edition Anwendung fand. Ob diese schöner ist als die alte ist Geschmackssache, aber sie ist auf jeden Fall praktischer, weil darauf geachtet wurde, dass alle Regionen möglichst viel Platz auch für große Armee haben. Übersichtlicher ist sie auch, weil Dinge wie Festungen und Siedlungen besser hervorgehoben sind. Grundsätzlich kann man die 2. Edition aber auch prima mit dem Brett der 1. spielen. Mit der neuen Übersetzung haben sich zwar einige Namen von Regionen geändert, das betrifft aber kaum Regionen, die auf Karten referenziert werden, so dass es den Spielfluss nicht behindert.

CE vs 1. Edition

Eine Karte der 1. Edition im Vergleich zur CE

Die zweite, größte und vielleicht wichtigste Änderung sind die neuen Karten. Im selben Format wie die Karten der Collector’s Edition haben sie vor allen Dingen einen großen Vorteil gegenüber der 1. Edition: Sie sind lesbar! Vorbei sind die Zeiten, wo man den Text teilweise mit der Lupe entziffern musste. Entscheidend ist aber auch, dass die Karten (wie die Regeln) komplett neu übersetzt wurden, und damit all die ärgerlichen Fehler aus der 1. Edition ausgemerzt wurden. Ich will nicht ausschließen (auch wenn ich selbst daran beteiligt war), dass sich auch ein Fehler in die neue Auflage eingeschlichen hat, denn ich habe die fertigen neuen deutschen Karten noch nicht gesehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass Fehler absolut minimiert sind. Um die neuen Karten kommt also nicht herum, wenn man den aktualisierten Ringkrieg spielen will, und da kommt dann das Upgrade Kit ins Spiel. Dazu später mehr.

Vergleich Nazgul

Neuer und alter Nazgûl

An den Miniaturen hat sich nicht viel getan. Die Gollum-Figur, die es ursprünglich als Beilage in der Spielbox (und dann auch in der Collector’s Edition) gab, ist enthalten, ebenso wie die Nazgûl im neuen und standfesteren Design. Die alten tendierten zum Umfallen, wenn man sie nicht mit einer 2-Cent Münze oder ähnlichen beschwerte. Bei mir bleiben die alten (selbst bemalten) Nazgûl im Einsatz, aber funktional unterscheiden sie sich im Spiel nicht.

Die neuen Würfel sind etwas besser lesbar als die der 1. Edition, zumindest was die blauen Würfel der Freien Völker angeht. Dafür gefiel mir die Haptik der alten etwas besser, aber das ist hauptsächlich Geschmackssache. Der einzige wirkliche Minuspunkt für die 2 Edition – und das ist nur ein kleiner – sind die neuen Kampfwürfel (normale weiße Sechsseiter). Die sind sehr klein und ungewöhnlich, mit einem dicken, fetten Punkt für die Eins. Sie wirken billig. Da sie aber durch beliebige andere sechsseitige Würfel ersetzt werden können (von Kniffel-Würfel bis zu denen der 1. Edition), fällt das kaum ins Gewicht.

Würfel

Würfelvergleich - Oben 1. Edition, Mitte CE, Unten 2. Edition

Das übrige Spielmaterial, sprich die verschiedenen Pappmarker, ist gegenüber der 1. Edition unverändert, außer das der Druck etwas sorgfältiger gewesenen zu sein scheint, und alle Grafiken schön mittig und passend platziert sind.

Und dann gibt es da natürlich noch die Regeln. In der 1. Edition stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass der Schatten einen gewissen Vorteil im Spiel genoss. Von erfahrenen Spielern wurden Strategien entwickelt, die den Freien Völkern kaum eine Chance ließen. Die Erweiterungsregeln behoben dieses Problem zwar zu einem gewissen Grad, eröffneten aber neue Problemfelder und veränderten das Spielgefühl teilweise stark. Mit der 2. Edition haben die Autoren die Chance genutzt, an ein paar Stellschrauben zu drehen, um schon das Grundspiel wieder ausgeglichen zu gestalten. So wie es bisher aussieht, ist ihnen das sehr gut gelungen.

Die Regeländerungen sind gering, und ich will sie hier nicht im Detail auflisten, denn sie können in den frei verfügbaren Regeln nachgelesen werden. Es sei nur soviel gesagt: Gandalf der Graue wurde etwas gestärkt, der Hexenkönig geschwächt, und der Schatten kann die Jagd nach dem Ring nicht mehr komplett ignorieren, wenn sich die Ringgemeinschaft bewegt. Außerdem wurden die Hobbits wieder mehr ins Spiel gebracht, und eine Menge Karteneffekte wurden leicht angepasst. Einige Spielsituationen wurden klarer geregelt.

Wand aus Schildern

Wand aus Schildern - 1. Edition

Der Heidelberger Spieleverlag hat die Gunst der Stunde genutzt, um eine komplett neue Übersetzung zu erstellen, ohne die alte als Grundlage zu verwenden. Ich habe das sehr begrüßt, da ich mit der ersten Übersetzung in vielen Dingen (Wortwahl, Organisation) unzufrieden war, und sie auch einige Fehler enthielt. So wurde zum Beispiel aus einem alten „Rekrutierungs-Würfelwurfergebnis“ ein „Rekrutierungswürfel“, die „Korrumpierung“ der Ringträger ist nun die „Macht des Rings“, und aus „Günstlingen“ wurden „Schergen“. Auch die Karten wurden komplett neu übersetzt und die alten Fehler ausgemerzt. So wird es nun keine „Wand aus Schildern“ mehr geben, sondern nur noch den „Schildwall“.

Die neue deutsche Regel muss aber nicht käuflich erworben werden, sondern steht jeden frei zum Download zur Verfügung, und zwar auf der Webseite des Heidelberger Spieleverlags.

Die Blechbox

Die Blechbox

Was hat es mit dem Upgrade Kit auf sich?

Das Upgrade Kit für den Ringkrieg beinhaltet einfach den kompletten neuen Kartensatz der 2. Edition. Zusätzlich gibt es genug Kartenhüllen, um alle vor Verschleiß und Verschmutzung während des Spiels zu schützen, und eine hübsch gestaltete Blechbox zur Aufbewahrung.

Da man die Regeln kostenlos herunterladen kann, und alle anderen Spielmaterialien einfach übernommen werden können, kann man mit 1. Edition plus Upgrade Kit die neue Version problemlos spielen. Auf die Gollum-Figur kann man im Spielverlauf leicht verzichten und die Änderungen an den Namen auf dem Spielplan sind klein genug, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Ich glaube die einzige Region deren Name wesentlich geändert wurde, und die auf einer Karte Erwähnung findet, ist „Bruchtal“, das in der 1. Edition noch „Imladris“ hieß.

Das Upgrade Kit kann, wie die 2. Edition selbst, über den Brettspielladen eurer Wahl bezogen werden. Es erscheint gleichzeitig mit dem eigentlichen Spiel.

Kann ich die Erweiterung mit der 2. Edition zusammen spielen?

Der Balrog

Der Balrog (selbst bemalt)

„Das Ende des Dritten Zeitalters“ war die Erweiterung des Grundspiels aus der Box „Die Schlachten des Dritten Zeitalters“, mit der unter anderem die Ents, Galadriel und Balrog als eigene Figuren ins Spiel gebracht wurden. Theoretisch wäre es möglich, diese Regelerweiterung auch in die 2. Edition einzubringen, aber da sie auf eine Stärkung der Freien Völker zugeschnitten ist, und das Ungleichgewicht des Grundspiels in der 2. Edition behoben wurde, würde man dadurch eine Bevorteilung der Freien Völker erreichen.

Diese ist zwar klein genug, dass sie dem Gelegenheitsspieler möglicherweise kaum auffallen würde, aber man hat ein anderes Problem: Die Größe der Karten. Auch im Upgrade Kit sind keine neuen Versionen der Karten aus der Erweiterung enthalten, so dass es sie nicht im Format der 2. Edition gibt – außer in der Collector’s Edition. Aber selbst mit denen gibt es ein Problem, denn diese haben einen schwarzen Kartenrand, im Gegensatz zum weißen der 2. Edition.

Grundsätzlich muss man daher sagen, dass sich die 2. Edition nicht mit der Erweiterung zusammen verwenden lässt. Dafür sind aber neue Erweiterungen für den Ringkrieg in Arbeit, in der diese und neue Charaktere und Fraktionen wieder auftauchen werden. Die erste einer Reihe neuer Erweiterungen wurde unter dem Titel „Lords of Middle-earth“ schon bei Ares Games angekündigt.

Persönlich vermisse ich die zusätzlichen Optionen aus der Erweiterung bisher nicht. Die 2. Edition ist in sich rund ausgeglichen und variabel, so dass keine Langeweile aufkommt, und einige Auswirkungen der Erweiterungsregeln waren sowieso nicht ganz nach meinem Geschmack.

Ich habe schon die Collector’s Edition – brauche ich da die 2. Edition?

Für die Collector’s Editon gilt im Prinzip das gleiche wie für die „normale“ 1. Edition: Wenn man sich das Upgrade Kit holt, kann man mit dem alten Material auch die neue Edition spielen. Da die CE auch schon die verbesserten Komponenten enthielt (schönere Pappmarker, besserer Spielplan, usw.) kann man hier noch leichter auf die volle 2. Edition verzichten. Wenn man aber häufiger außer Haus spielt und das „gute Stück“ nicht unbedingt dem Transport aussetzen möchte, bietet sich natürlich der Kauf einer Vollversion an – dann kann auf dem transportableren Brett der 2. Edition mit den bemalten Figuren der Collector’s Edition spielen.

Kartenvergleich

Karten der 2. Edition (links) und der CE (rechts)

Leider gilt auch für die Collector’s Edition, dass die Erweiterungsregeln, die dort ja separat enthalten sind, nicht oder nur schwer mit der 2. Edition kombinieren kann. Aber natürlich kann man dort jederzeit auf die Karten und Regeln der 1. Edition zurückgreifen ohne auf die größeren, lesbaren Karten verzichten zu müssen. Wenn man diese ebenfalls mit Kartenhüllen und Blechbox schützen möchte, kann man die auch separat vom Upgrade Kit erwerben.

Und was würdest du kaufen?

Ich bin in der glücklichen Lage, wegen meiner Korrekturarbeit an der 2. Edition eine Belegexemplar des Spiels zu bekommen. Aber natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, was ich mir den angeschafft hätte, wenn das nicht der Fall wäre.

Als Vielspieler (auch wenn meine Partien Ringkrieg meistens Online ablaufen) und Besitzer der 1. Edition (plus Erweiterung) , hätte ich mir auf jeden Fall
die 2. Edition als volles Spiel besorgt. Das neue Spielbrett ist nämlich wirklich sehr gut, und der zweite Satz Miniaturen ist für mich auch nützlich, wenn ich eine Figur vielleicht nochmal neu bemalen möchte. Würde ich nur gelegentlich den Ringkrieg spielen, hätte ich es wahrscheinlich beim Upgrade Kit und dem Download der neuen Regeln belassen, denn das reicht völlig, um in den Genuss der neuen Regeln zu kommen.

Als Besitzer der Collector’s Edition stellt sich das ganze nochmal etwas anders dar. Wenn man wirklich regelmäßig mit der CE spielt, reicht eigentlich der Upgrade Kit, denn an sonstigem Material ist in der CE alles so gut wie oder besser als in der 2. Edition. Andererseits ist die CE auch sehr sperrig und schwer auf einem Tisch unterzubringen. Wenn man da Probleme hat, lohnt sich vielleicht der Kauf des vollen Spiels.

Aber was rede ich mir eigentlich ein? Wenn ich es nicht so bekommen hätte, wäre es im Endeffekt sowieso die volle 2. Edition geworden, plus eine Box mit Kartenhüllen, plus…. Es ist eben mein Lieblingsspiel.

Upgrade Kit

Upgrade Kits vor der CE