Gespielt: Five Parsecs from Home (1)

Cover der dritten Edition von Modiphius

Ich habe mal wieder ein neues Miniaturenspiel ausprobiert, und nach Rangers of Shadow Deep ist es das zweite Solo-Tabletop. Aber diesmal ging es in die Zukunft und zu den fernen Sternen der Galaxis, mit Five Parsecs from Home von Ivan Sorensen.

Five Parsecs ist eine Art Mischung aus Rollenspiel und Tabletop und zieht seinen besonderen Reiz aus einer großen Menge Zufallstabellen, aus denen man das Gerüst einer Geschichte erwürfelt, dieses in der eigenen Vorstellung mit Leben füllt, das dann als Kampagne wiederum den Missionen einen spannenden Hintergrund gibt und zu mehr als taktischen Übungen macht. Ich denke am besten stelle ich hier den Beginn meiner Kampagne dar, das wird das Konzept am besten erklären.

Ich beginne mit der Charaktererschaffung. Nachdem ich mich für eine volle Mannschaft von 6 Charakteren entschieden habe, muss ich festlegen zu welchen Spezies sie gehören. Neben dem üblichen „Standard“ Mensch und Robotern gibt es einige halb-generische Aliens, die zwar dem spieleigenen Setting entspringen, aber leicht auf andere Hintergründe angepasst werden könnten. So gibt es die stolz-wilde Kriegerspezies, fragile Techniker, mysteriöse Uralte und ähnliches.

Eine Seite aus der Charaktererschaffung hat Platz für zwei Arten von Aliens.

Da ich keine sehr große Auswahl an alien-artigen Miniaturen mein eigen nenne, entscheide ich mich für 5 Menschen plus einen Roboter, die ich mit einigen ausgewählten Minis meiner Haqqislam-Fraktion für Infinity darstellen werde. Five Parsecs ist figuren-agnostisch, d.h. es gibt keine eigene Miniaturenreihe dafür, sondern man kann alles aus seiner Sammlung benutzen, was passt. Perfekt für mich, denn so bekommen meine schönen, aber viel zu selten benutzten Infinity-Figuren was zu tun!

Die Auswahl der Spezies bestimmt auch direkt alle Grundwerte für den Charakter. Fünf Stück gibt es davon: Reactions (bestimmt über die Initiative in der Runde), Speed (die Bewegungsreichweite), Combat Skill (Bonus für alle Kampfwürfe), Toughness (wie schwer der Charakter auszuschalten ist) und Savvy (Bonus für alle Nicht-Kampfwürfe). Dazu besitzen alle Spezies noch ein paar wenige Sonderregeln.

Zafira, die Kapitänin meiner Crew

Aber wie unterscheidet sich nun ein Mensch von einem anderen? Ganz einfach durch drei Würfe auf drei verschiedenen Tabellen: Hintergrund, Motivation und Klasse. So ist die Kapitänin meiner Crew auf einer friedlichen Hi-Tech Kolonie aufgewachsen, strebt nach Macht und ist ein Hacker. Hm, wie passt das zusammen? Da ist nun die Vorstellungskraft des Spielers gefragt.

Zafira, so der Name meiner Kapitänin, ist also auf einer der friedlichen Kernwelten in Wohlstand und Frieden aufgewachsen, fühlte sich durch die vielen Gesetze und Regeln stets eingeengt, weil sie sie nicht nach ihren eigenen Wünschen gestalten konnte. Sie Versuchte diese dieser starre Welt zu unterwandern und suchte ihr Glück in der Welt der illegalen Datenmanipulation. Aber das ging nicht lange gut und sie musste aus den Kernwelten flüchten.

Jedes der drei Würfelergebnisse ergibt ein paar Modifikatoren des Charakters und macht ihn so einzigartig. So startet Zafira mit +2 auf ihr Savvy, zusätzlichem Vermögen, zwei Erfahrungspunkten, und gleich zwei Rivalen! Rivalen sind wiederkehrende Feinde, die als Gegner in Missionen eine besondere Rolle spielen, und verdienen daher ein paar zusätzliche Würfe um sie näher zu definieren. Zafira hatte auf der einen Seite schon mit kriminellen Elementen zu tun, und zwar mit Plünderern, die einsame Kolonien überfallen, und auf der anderen Seite mit Vigilanten, also „besorgten Bürgern“, die das Gesetz in die eigenen Hände nehmen.

Weiter geht es mit den anderen Mitgliedern der Crew. Suleika, die aus dem staatlichen Waisenprogramm geflüchtete Nomadin, Leyla, die heimatlose Hackerin, und Clarissa, das Gangmitglied aus einer sehr fremdartigen Kultur, werden allesamt von ihrer Neugier angetrieben (dreimal die Motivation „Discovery“!). Nur Aisha, das heimatlose Mannschaftsmitglied ist aus reiner Loyalität bei Zafira.

Die Crew der „Sultana“
Das Regelbuch ist wirklich schick illustriert.

Schön und gut, die Würfe auf den Tabellen haben mir jede Menge Ausrüstung (allerdings kaum Waffen), tolle Boni auf meine Savvy Fertigkeiten, und auch zwei Patrons (potentielle Auftraggeber geliefert, aber was mir fehlt ist irgendein Combat Skill! Wenigstens kommt noch mein Roboter („Bot“) DJ-1NN1-13K („Djinni“) hinzu, der zwar keine Würfe auf den Hintergrundtabellen bekommt, dafür aber mit besseren Werten startet. Er ist der einzige in meiner Crew mit einem Combat Skill von +1 und einer Toughness besser als 3. Das kann ja heiter werden.

Jetzt geht es noch darum, die Ausrüstung zusammen zu stellen. Wieder gibt es eine Menge Tabellen für Waffen, Ausrüstung und Kram. Dank meiner zahlreichen Boni auf Savvy darf ich ein paar Waffenwürfe auf der „Hi Tech“ Tabelle machen und sichere mir ein „Glare Sword“ (klingt wie ein Lichtschwert) und eine Strahlenpistole. Aber auch die „Militärischen Waffen“ wollen nicht vernachlässigt werden und ich sichere mir ein Sturm- und ein Maschinengewehr, sowie diverse Pistolen und Klingen von der „Lo Tech“ Tabelle. Das Schmuckstück ist ein schweres Jagdgewehr (für Großwild).

Nur ein kleiner Ausschnitt aus den Ausrüstungstabellen.

Dazu kommt ein buntes Sammelsurium an Ausrüstung und Krimskrams, von einem Schutzanzug über Aufputschpillen bis hin zu gezinkten Würfeln, die alle einen bestimmten Effekt im Spiel haben. Sehr nützlich erscheint mit das Gefechtsvisier (Battle Visor), mit dem man alle 1er bei Kampfwürfen wiederholen kann, insbesondere wenn ich es mit dem Maschinengewehr kombiniere, das nämlich drei Würfe pro Angriff erlaubt.

Dann fehlt nur noch der wichtigste Teil der Ausrüstung: das Raumschiff, mit dem wir durch die Galaxis düsen. Auch hier gibt es eine W100-Tabelle mit verschiedenen Modellen, und ich würfle eine 96, für das beste verfügbare Schiff: einen ausgemusterten Patrouillenkreuzer. Er hat mehr Hüllenpunkte als alle anderen, und gepanzert ist er auch noch. Wow! Der Nachteil? Der Haufen Schulden, den Zafira noch abbezahlen muss, ist deutlich höher, als bei den anderen Schiffen (39 Credits). Einen neuen Namen bekommt das Schiff natürlich auch: Zafira hat es „Sultana“ getauft und ist sich nicht ganz sicher, warum das ein gelegentliches Grinsen oder Kichern hervorruft.

Die „Sultana“, ein ehemaliger Patrouillenkreuzer der Space Hawk-Klasse

Nun bin ich bereit in die erste Runde der Kampagne zu starten, was ich in Teil 2 dieses Artikels machen werde. Aus der sehr spaßigen Charaktererschaffung hat sich für mich schon mal ein stimmiges Bild meiner Crew ergeben:

Auf ihrer Flucht vor der Cyberpolizei der Kernwelten ließ sich Zafira mit einem Clan plündernder Raumnomaden und ihrem Sheikh Tarik ein. Aber auch hier war sie bald mir ihrer Rolle als Angriffshacker und seiner Geliebten nicht zufrieden und zettelte eine Meuterei an. Da sich aber eher die unabhängigen und neugierigen Geister von ihr angezogen fühlten, als die kampferprobten und abgebrühten Veteranen, endete die Meuterei in einer bitteren Niederlage, aus der Zafira nur mit Müh und Not mit einem stark beschädigten Patrouillenkreuzer und ihrer engsten Crew entkommen konnte. Nachdem die notwendigen Reparaturen am Schiff den letzten Rest ihres Geldes verschlangen und dazu noch Schulden bei diversen zwielichtigen Kredithaien aufhäuften, nahm Zafira Kurs auf die „Fringe“, den Rand der Galaxis, um dem rachsüchtigen Tarik zu entkommen, genug Credits zu verdienen um die Kredithaie zufrieden zu stellen, und vielleicht endlich ihren Traum von ihrem einem eigenen Kommando zu erfüllen.


Die DJ-1N Serie ist bei Raumfahrern, Söldnern und Feuchtfarmern sehr beliebt.

Wie auch schon bei Rangers of Shadow Deep hat sich Modiphius des Indie-Spiels angenommen, und veröffentlich es in einer schicken dritten Auflage als Hardcover. Wenn man das Buch direkt bei Modiphius bestellt (€29,95), erhält man sofort das PDF dazu, aber man kann auch das PDF alleine (ca. €17) auf DriveThruRPG.com kaufen. In Deutschland kann man das Buch bei Fantasywelt und dem Sphärenmeister vorbestellen (und ich denke auf Nachfrage wird man auch dann von Modiphius das PDF dazu bekommen, da sie bei der „Brick & Mortar“ Initiative dabei sind).

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