Gespielt: Infinity

Infinity N4 Regelbuch

„One hundred and seventy-five years into the future, Humanity has so far managed not to destroy itself—but for how much longer?“

Meine momentane Leidenschaft, was Tabletop-Spiele angeht, gehört Infinity the Game von Corvus Belli, einem Science Fiction Skirmisher mit Inspirationen aus dem Anime-Genre, eine, komplexen und hoch taktischem Regelsystem und absolut großartigen Miniaturen.

Über die im letzten Jahr erschienenen, abgespeckten „CodeOne“ Regeln, bin ich jetzt in die vollen „N4“ Regeln eingestiegen. Diese 4. Edition des Spiels ist gerade erst erschienen, und ich freue mich mit dieser überarbeiteten und etwas stromlinienförmigeren Edition in die Tiefen des Infinity Systems einzusteigen. Das folgende ist ein Spielbericht zu meiner allerersten Partie mit den vollen N4 Regeln, es sind daher sicherlich noch jede Menge Fehler, Unklarheiten und schlimme taktische Irrungen enthalten.

Haqqislam
„[Haqqislam] doctrine is profoundly concerned with political and social issues, and the culture built around it has rekindled the scientific and artistic heirloom of the golden age of Islam.“

Die Fraktionen

Infinity bietet eine Reihe menschlicher Fraktionen an, die gegeneinander um die Vorherrschaft in der „Human Sphere“ kämpfen, sowie ein paar Aliens, die die Menschheit als Ganzes bedrohen. Ich habe mich für Haqqislam entschieden, eine Nation die auf einer humanistischen Neubelebung und Revolution des Islam beruht, und ihre Stärke aus merkantiler Präsenz und der besten medizinischen Wissenschaft der Menschheit bezieht.

Cossack, American, French and Scottish fought each other and they all fought the planet, and from all the fighting emerged Ariadna, where only the toughest survive.

Da meine Figurensammlung für Infinity noch sehr begrenzt ist, hat mein Gegner nicht sehr viel Auswahl, aber nachdem er in CodeOne ein paar Fraktionen ausprobiert hat, gefällt ihm bisher Ariadna am besten. Ariadna sind die Nachkommen der ersten extra-terrestrischen Kolonie der Erde (eine bunte Mischung aus Russen, Franzosen, Schotten und Amerikanern), die durch eine Katastrophe lange Jahrzehnte von der Erde abgeschnitten war, und erst kürzlich wiederentdeckt wurde. Eigenbrötlerisch und technologisch rückständig haben sie einen ausgeprägten Unabhängigkeitssinn entwickelt und bedienen sich der besonderen Ressourcen ihres Planeten.

Die Einheiten

Wie spielen ein Spiel „mittlerer“ Größe mit 250 Punkten, und ich stelle zwei Listen mit Hilfe des ausgezeichneten Online Tools Infinity Army von Corvus Belli zusammen, das es sowohl als Online Tool für den PC, als auch als App für das Smartphone gibt. Letztere fungiert auch hervorragend als Referenz während des Spiels.

Meine Haqqislam-Truppe gruppiert sich um den schweren Gefechtspanzer Maghariba Guard, und besteht neben diesem TAG (Tactical Armoured Gear) aus drei Ghulam-Spezialisten (Doktor, Forward Observer und Hacker), einer Drohne mit Lenkraketen, einem Ingenieur, der notfalls Tag und Drohne reparieren kann und zwei vorgeschobenen, getarnten Einheiten: einer Minen-legenden Hunzakut und einem nahkamfpstarken Fiday. Die ganze Truppe wird von Khawarij-Supersoldat Tarik Mansuri (meinem Leutnant) ins Gefecht geführt.

Wer möchte, kann sich die Liste im Army Builder anschauen.

Die Ariadna-Truppe kann nicht mit einem TAG aufwarten (dafür reicht weder ihre Technologie, noch meine Sammlung), hat mit einer „Ratnik“ Schweren Infanterie aber auch ein visuelles Highlight dabei. Angeführt von einem Kazak-Veteranen kommen dazu drei Line Kazaks (Schweres Maschinengewehr, Forward Observer und Paramedic), ein vorgeschobener und getarnter Scout, ein Kazak Doktor und ein Tankhunter. Mit Vassily Plushenko hat auch Ariadna ein Charakermodell dabei, der hier aber nicht der Leutnant ist, sondern nur dank seiner Fähigkeit „Chain of Command“ das Kommando übernehmen kann, falls der Leutnant ausfällt.

Auch diese Liste kann man sich im Army Builder anschauen.

Aufbau

Wir spielen das Szenario „Domination“ aus dem Regelbuch, in dem man vier zentrale Sektoren auf dem Spielfeld mit überlegener Truppenstärke dominieren muss. Zusätzlich können für weitere Siegpunkte vier Konsolen gehackt werden. Bei 250 Punkten spielt man auf einen Spielfeld von 3×4 Fuß (90cm x120cm), und die Pappgebäude, die mitgebracht habe, reichen gerade so aus, um ein einigermaßen vernünftiges Gelände aufzustellen. Sichtlinien und Deckung sind bei Infinity ungeheuer wichtig, und für eine interessantes Spiel muss man daher genug Gelände auf dem Tisch haben.

Nach dem Aufbau...
Nach dem Aufbau: Haqqislam links, Ariadna rechts.

Über die Initiative wird mit einem Wurf auf die Willpower der beiden Leutnants entschieden. Tarik stellt sich als der bessere Taktiker als der Kazak-Veteran heraus, und ich entscheide mich dafür den ersten Zug zu haben. Mein Gegner darf sich dafür die Seite des Tischs aussuchen und entscheidet, wer von uns zuerst seine Truppen aufstellen muss – natürlich ich in diesem Fall. Bis auf einen vorgeschobenen, getarnten Kundschafter, hält er sich weit zurück in guter Deckung, um meinen ersten Angriff mitmöglichst wenig Verlusten zu überstehen.

Ariadna hat sich verbarrikadiert.

Ich stelle meinen TAG zentral und offensiv auf. Unterstützt von meinem Ingenieur soll er über die Hauptstraße in der Mitte vorstoßen, um zumindest einen der Quadranten auf der gegnerischen Seite zu dominieren. Auf meiner rechten Flanke sichert mein Leutnant Tarik Mansuri, während auf der linken meine Raketenwerfer-Drohne darauf wartet ein Ziel von ihrem Ghulam Forward Observer zu bekommen.

Die Aufstellung der Haqqislam-Einheiten

Zwei meiner Einheiten haben die Fähigkeit „Infiltration“ bzw „Impersonation“, die es ihnen erlauben, außerhalb meiner Aufstellungszone aufgestellt zu werden. Meine getarnte Hunzakut stelle ich ganz in die Nähe der ersten Konsole, während mein Fiday, der sich als ein Verbündeter von Ariadna verkleidet hat und dementsprechend nicht angegriffen werden darf, dem gegnerischen Kundschafter den Weg zu eben dieser Konsole versperrt.

Erste Runde – Haqqislam

Die meisten Infinity Szenarien werden nur über drei Runden gespielt, in denen jeder Spieler je seinen eigenen Zug hat. Man muss sich also gut überlegen, was man tut. Im Allgemeinen generiert jede Einheit einen Befehl, den man benutzen kann um einen Einheit handeln zu lassen. Das muss nicht die Einheit sein, die diesen Befehl generiert hat, und einen Einheit kann auch nicht nur einmal pro Runde handeln, sondern so häufig wie man sie aktiviert. Das ergibt eine enorme taktische Flexibilität.

Um Proben erfolgreich zu bestehen, muss man in Infinity mit einem W20 den entsprechenden Wert der Figur unterbieten oder treffen, hier Willpower 14.

Andererseits ist auch der Gegner im eigenen Zug nicht untätig. Jedes Mal, wenn eine seiner Einheit eine aktivierte Figur von mir sehen kann, darf sie darauf reagieren, indem sie z.B. schießt oder in Deckung springt. Es kann also sein, dass sich ein Kämpfer, der sich zu weit vorwagt, das Ziel von gleich mehreren Reaktionen gerät und im Kugelhagel untergeht.

Ich beginne meinen Zug damit dass die Hunzakut zur Konsole robbt (sie liegt am Boden um kein Ziel zu bieten) und versucht diese zu hacken. Das klappt prima, und ich übernehme die Kontrolle über sie. Einen Siegpunkt gibt es dafür erst am Ende des Spiels, aber es ist ein guter Anfang.

Wenn sie einen Wurf macht wie hier, verliert eine Figur automatisch ihre Tarnung, aber ich kann sie mit einem zweiten Befehl wieder tarnen, da sie keiner meiner Gegner sehen kann. Der ariadnische Kundschafter ist zwar ganz in der Nähe, aber auch er liegt hinter der Brüstung in Deckung.

Nein, die 20 ist natürlich nicht der Wurf! Der Würfel markiert nur die gehackte Konsole.

Auf der anderen Seite des Spielfelds übernimmt der Ghulam Forward Observer die gleiche Aufgabe und hackt erfolgreich die zweite Konsole.

Dann stößt er auf der linken Flanke weiter vor, um ein Ziel für die Raketen der Drohne zu finden. Er gerät ins Visier von Vassiliy Plushenko und kann ihn tatsächlich mit seinem Ziellaser markieren.

Hier reagiert mein Gegner mit seiner Einheit, auf die Aktion meines Ghulams, weil er ihn sehen kann, und versucht ihn zu beschießen. Weil mein Ghulam gleichzeitig versucht, ihn ins Ziel zu nehmen, kommt es zu einer weiteren Kernmechanik von Infinity, dem Face-to-Face Wurf. Dabei würfeln beide Spieler auf die entsprechende Fertigkeit ihrer Einheit, und wer es schafft, dabei aber den höchsten Wurf zu haben, gewinnt die Konfrontation. Je nach Waffe und Aktion kann man dabei auch mehr als einen W20 werfen; zum Beispiel durfte hier mein Ghulam zweimal auf seine Willpower 14 würfeln, aber Vassily in seiner Reaktion nur einmal auf seinen Ballistic Skill 13. Darauf werden je nach Situation noch diverse Modifikationen verrechnet, die ich hier nicht einzeln aufführen will.

Hier stand eben noch Vassily Plushenko.

Als Ergebnis erhält Vassily den Status „Targeted“, der wiederum meiner Drohne erlaubt, auch ohne Sichtlinie Feuer auf ihn zu eröffnen. Dank ihrer Explosivmunition, die auch noch Schaden im Umkreis verursacht, kostet das Vassily das Leben, und seine Kameradin des Tankhunter Regiments wird bewusstlos.

Im Rest der Runde rücke ich mit der Maghariba Guard und Tarik Mansuri etwas vor. Vielleicht hätte ich eher den momentanen Vorteil auf der linken Flanke weiter ausnutzen sollen,aber ich wollte meinen TAG doch besser ins Geschehen bringen.

Die Situation am Ende des Haqqislam-Zuges. Anmerkung für Infinity-Spieler: Die Immo-B Marker stellen irreguläre Befehle dar.

Erste Runde – Ariadna

Kazaks können auch hacken.

Nun ist mein Gegner an der Reihe. Sein Line Kazak Forward Observer übernimmt die Kontrolle über seine erste Konsole und schaltet im Feuergefecht meinen so erfolgreichen Ghulam FO aus.

Sein Line Kazak Paramedic bringt mit Hilfe seines Medikits die bewusstlose Tankhuntress wieder auf die Beine. Ansonsten konsolidiert er seine Position und bringt insbesondere seine Ratnik Schwere Infanterie in eine bessere Position im Zentrum.

Zone A: Ariadna, Zone B: Haqqislam.

Am Ende der Runde wird überprüft, wer welche Quadranten dominiert. Ich habe die beiden auf meiner Seite sicher unter Kontrolle, da nur Einheiten von mir dort stehen. Da mein Forward Observer Ghulam ausgeschaltet ist, kann er in Quadrant 1 nichts mehr ausrichten, aber Quadrant 2 ist umstritten, weil dort sowohl der ariadnische Kundschafter als auch mein Fiday steht. Es zählt der Punktwert der Figuren, und da schlägt der Kundschafter meinen Fiday mit 26:25 Punkten. Ein Punkt!

Damit kontrollieren wir die gleiche Anzahl von Quadranten und erhalten beide 1 Siegpunkt.

Runde 2 – Haqqislam

Ich denke es ist an der Zeit meinen TAG ins Gefecht zu werfen, um im Zentrum die Entscheidung herbei zu führen. Mit 81 Punkten kann er auch locker alleine einen Quadranten dominieren, und die meisten gegnerischen Einheiten sind ohne Schusslinie in Deckung. Den Gegenangriff wird er dann hoffentlich dank seiner starken Panzerung überstehen … hoffe ich.

Das erste Hindernis ist der Ratnik, der am Ende der zentralen Achse in Deckung steht. Das Schwere Maschinengewehr der Maghariba läuft heiß und die Patronenhülsen häufig sich zu kleinen Gebirgen – verdammt hält dieser Ratnik viel aus. Er hat zwei besondere Eigenschaften: Erstens hat er eine beschädigte Variante, die er einnimmt, wenn andere Einheiten schon ohnmächtig würden, und er ist „dogged“. Das heißt, wenn er ohnmächtig wird, wird er nicht sofort kampfunfähig, sondern kann noch bis zum Ende der Runde stehen und feuern. All das heißt, ich brauche viel zu lange um ihn auszuschalten.

5 Befehle braucht es, um den Ratnik aus dem Weg zu räumen!
Da ging was schief.

Als die Maghariba dann weiter vorrückt, kommt sie ins Sichtfeld des Line Kazak FO und des Kazak Veteranen. Eigentlich eine weniger harte Herausforderung als der Ratnik, aber an dieser Stelle hat sie keine Deckung. Sie nimmt einen Punkt Schaden hin … aber schlimmer: Der Line Kazak schafft es mit seinem Flash Pulse Angriff, die System des TAGs vorübergehend lahm zu legen. Ich kann noch den Ingenieur heranbringen, aber zu spät, um den TAG für diese Runde noch wieder aktivieren zu können. Immerhin schafft er es, den Schaden zu reparieren.

Runde 2 – Ariadna

Die Maghariba Guard ist nun das offensichtliche Ziel, das Ariadna ausschalten muss. Zwar ist sie wieder voll funktionstüchtig, aber sie steht offen ohne Deckung da. Das nutzt die Tankhuntress und macht ihrem Namen alle Ehre: Mit ihrer Adhesive Launcher verklebt sie die Gelenke des TAGs (eine Waffe, die den Gegner immobilisiert). Der Fiday auf dem Dach versucht noch zu helfen und enttarnt sich, um auf die Tankhuntress zu feuern, schafft es aber nur, selber ohnmächtig zu werden.

So gelähmt, kann der TAG kaum etwas tun, als der Kazak Veteran das Feuer mit seinem schwerem Maschinengewehr eröffnet. Es braucht einige Befehle, aber schließlich ist die Maghariba nur noch ein Haufen Schrott. Auch der Ingenieur ist danach leichte Beute für die Tankhuntress.

Erst nachdem der TAG gelähmt ist, mischt sich der Fiday ein. Das hätte er besser vorher gemacht.

Am Ende der Runde stelle ich zu meinem Schrecken fest, dass ich in Quadrant 3 gar keine Einheit mehr stehen habe und daher nur noch 4 dominiere. Ariadna dominiert weiterhin die Quandranten 1 und 2, da der TAG ja ausgeschaltet ist, und hält daher mehr als ich. Das gibt zwei Siegpunkte und damit ist der Zwischenstand 3:1 für Ariadna.

Runde 3 – Haqqislam

Mit fortschreitendem Spiel werden die Runden in Infinity kürzer, denn jede ausgeschaltete Einheit heißt weniger Befehle, mit denen Einheiten aktiviert werden können. Damit werden die taktischen Optionen immer enger und die Situation spitzt auf bestimmte Brennpunkte zu – eine Dynamik die ich für das Spielgefühl ganz hervorragend finde.

Wäre sie mal lieber in der sicheren Deckung geblieben.

Ich schaffe, es in Runde drei mit der Hunzakut, die auch die Fertigkeit Forward Observer besitzt, dem Kazak Veteranen den Status Targeted zu passen, womit er zu einem validen Ziel der Raketenwerfer-Drohne wird. Dem folgenden Bombardement hat er nichts entgegen zu setzen und wird ausgeschaltet.

Als ich aber dann die Drohne nach vorne in Quadrant 1 bewegen will, um diesen wieder zu kontrollieren, laufe ich dummerweise in die Sichtlinie des Line Kazaks mit schwerem Maschinengewehr und lerne, dass Drohnen nicht so viel aushalten wie ein TAG. In Nullkommanix ist sie nur noch Altmetall. Dadurch kann ich leider nicht mehr machen, als weiterhin meine beiden Quadranten halten.

Runde 3 – Ariadna

Ariadna muss nun eigentlich nichts mehr tun außer die Stellung zu halten. Die Tankhuntress versucht noch Tarik Mansuri auszuschalten, lässt dabei aber selber ihr Leben.

Am Ende der Runde halten wir beide jeweils zwei Quadranten (je 1 Siegpunkt für beide). Außerdem habe ich zwei Konsolen gehackt und mein Gegner eine (2 Punkte für Haqqislam, 1 für Ariada). Damit ist der Endstand 5:4 für Ariadna. Der Sieg geht denkbar knapp an meinen Gegner. Herzlichen Glückwunsch David!

Fazit

Von den 9 Einheiten die beide Seiten aufgestellt hatten, waren sowohl bei Haqqislam noch 4 einsatzbereit (Tarik Mansuri, Hunzakut, 2 Ghulams), als auch bei Ariadna (Line Kazak HMG, Line Kazak Paramedic, Kazak Doctor und Scout). Das zeugt von der Actionlastigkeit des Spiels. Es werden nur drei Runden gespielt, aber es geht vom ersten Zug an zur Sache und jeder Befehl zählt.

Die Spieldauer waren ungefähr zwei Stunden, was auch daran lag, das wir noch viele von den uns neuen Fertigkeiten und Ausrüstungsteilen nachschlagen mussten. Wir haben sicherlich noch eine Menge falsch gemacht, aber wir haben jeden Fall sehr viel Lust auf mehr Infinity.

Was wir auf jeden Fall brauchen, ist ein schöner Spieltisch. Das Pappgelände ist zwar durchaus okay, aber Infinity lebt auch sehr vom Aussehen der grandiosem Minis und eine passende Umgebung dafür wäre toll. Entsprechende Bastelarbeiten sind bereits in Planung!

Gespielt: Rangers of Shadow Deep

Rangers of Shadow Deep
Das schicke Cover des Regelbuchs

Was macht man, wenn man alleine zuhause sitzt, jede Menge bemalte Figuren im Schrank stehen hat und riesige Lust verspürt, sie mal wieder am Maßband entlang auf dem Spieltisch umher schieben zu können? Genau, man schaut sich nach einem Solo-Tabletop um.

Der Bier & Brezel Tabletopper stellte auf seinem YouTube Kanal eine Reihe Möglichkeiten vor, und mir fiel „Rangers of Shadow Deep“ auf, ein System des Autors von Frostgrave, das speziell auf Solo- und Koop-Spiele ausgelegt ist. Es ist Miniaturen-unabhängig (d.h. man kann prima seine eigenen benutzen), und Waldläufer lagen mir immer schon besonders am Herzen. Also schnell das PDF besorgt und reingeschaut.

Das Krom Village Diorama wird zum Örtchen Eichenhag

Die Regeln sind eingängig und übersichtlich. Für die erste Mission brauche ich noch ein paar Häuser, die ich mir schnell auf Karton ausdrucke (ich hatte ein paar passende PDFs) und zusammen bastle. Außerdem nutze ich die Motivation, um ein paar Zombies und Ratten anzumalen, die ich für das erste Szenario brauche, und bin ein paar Tage später fertig für das erste Spiel.

Zuerst muss ich meinen Ranger und seine Gefährten erstellen, ähnlich wie in einem Rollenspiel. Berethorn Adlerauge wird meine kleine Gruppe anführen (ich entscheide mich für einen klassischen Bogenschützen und gebe ihm entsprechende heroische Talente und Fertigkeiten), die ansonsten aus der Ritterin Lady Cassandra („Cass“), dem gnomischen Schlosser (sprich Dieb) Mallegorum („Mal“), der Arkanistin Magistra Imris und dem Zauberer Olmric dem Vergesslichen besteht. Berethorns treuer Jagdhund Hrolf muss leider erst einmal zuhause bleiben, denn er ist etwas blass um die Schnauze (noch nicht angemalt).

Berethorn und seine treuen Gefährten

Dann baue ich das erste Szenario der ersten Mission auf. Unser Königreich Alladore wird von einem mysteriösen Unheil namens Shadow Deep bedroht, die schon viele andere Länder mit Dunkelheit und Verderben überzogen hat. König Arethic schickt die Ranger aus, um das Vordringen der Finsternis zu untersuchen und solange wie möglich zu verzögern, um vielleicht, ganz vielleicht doch noch ein Mittel dagegen zu finden. Der Ranger Aventine ist vor ein paar Tagen losgezogen, um schlimmen Nachrichten aus dem Örtchen Eichenhag nachzugehen und ist nicht zurück gekehrt. Wir machen uns auf die Suche nach ihm.

Im letzten Sonnenlicht schlurft ein Zombie ins Dorf

In Eichenhag angekommen merken wir schnell, dass es hier nicht zum guten steht. Es ist viel zu still, und kein Rauch steigt aus den Kaminen auf. Keine Menschenseele ist zu sehen, nur auffällig große Ratten schleichen um die Häuser. Gerade wollen wir uns auf die Suche nach Hinweisen machen, als wir ein Stöhnen aus mehreren Kehlen hören, und schlurfende Gestalten von allen Seiten auf uns zu kommen…

Das Szenario gibt mir einen groben Aufbau des Tisches vor, aber ich habe auch ein paar Freiheiten. Neben vier Zombies und zwei Rattenschwärmen (mein Ersatz für Riesenratten), werden 6 Hinweise auf dem Spielfeld verteilt, die ich untersuchen muss. Das Szenario endet automatisch nach 8 Runden (oder wenn alle meine Charaktere sterben) und je nachdem, was ich bis dahin gefunden und besiegt habe, gehe ich mit mehr oder weniger Erfahrungspunkte in das zweite Szenario.

So sehen das Dorf Eichenhag und die Spielsituation zu Beginn aus. Hinweise befinden sich im Wald im Nordwesten, dem Sumpf im NO, dem Wald im SW, der Umfriedung im SW, in der Schmiede und in dem Schuppen.

Runde 1

Das Szenario verlangt eine Wahrnehmungsprobe von einem beliebigen Helden und ich wähle natürlich Berethorn, weil er die beste „Perception“ Fertigkeit hat (+5) . Ich würfle einen W20 und addiere die Fertigkeit, und muss die vorgegebene Schwierigkeit (Target Number) erreichen. Bei einer TN von 8 und einem Bonus von +5 ist das nicht sehr schwierig. Bei Erfolg darf ich einen der Hinweise 6 Zoll (6″) in eine beliebige Richtung bewegen.

Berethorn erspäht eine Bewegung im Wald am Nordwestrand des Ortes und macht Olmric darauf aufmerksam.

Die erste Phase jeder Runde ist die „Ranger Phase“, in der ich meinen Ranger und zwei andere Gefährten aktivieren kann (bei mehreren Spielern sind es weniger Gefährten). Ich wähle Olmric als ersten und bewege ihn auf den jetzt näher liegenden Hinweis zu. Ein Held hat immer zwei Aktionen, wenn er aktiviert ist, wovon eine eine Bewegungsaktion sein muss. Olmric sieht nun eine Zombie und einen Rattenschwarm hinter dem nächsten Haus, und als zweite Aktion lasse ich ihn seinen ersten Zauber auf diese kleine Gruppe sprechen: Feuerball!

Klein schlechter Beginn des Spiels!

Der Zauber macht einen +3 Angriff auf alle Figuren innerhalb von 2″ seines Zielpunktes. Für einen Angriff würfelt der Angreifer und der Verteidiger je einen W20 (und addiert entsprechende Boni). Der höhere Wurf gewinnt, und macht so viel Schaden, wie das Endergebnis inklusive Boni beträgt. Davon wird dann die Rüstung des Ziels abgezogen und den Rest bekommt das Ziel als Schaden.

Ich beginne das Spiel mit einer zünftigen 20 für den Feuerball gegen den Zombie. Das ist ein kritischer Treffer, der auf jeden Fall gewinnt und +5 Schaden macht. Der Zombie ist nur noch Asche. Auch die Ratten vergehen (mit einem zweiten Wurf) in der feurigen Glut. Aber damit ist der Zauber auch verbraucht. Jeden Zauber kann man nur einmal pro Szenario verwenden. Mal schauen, was Olmric noch so in petto hat!

Ein selbstbewusster Zauberer

„Ha! Nehmt das, ihr Gezücht der Dunkelheit.“ Sich theatralisch die imaginäre Asche von den Ärmeln klopfend schritt Olmric selbstbewusst auf den Wald zu. „Keine Sorge, Berethorn, ich sehe mal nach.“

Als zweiten aktiviere ich Berethorn und bewege ihn in Richtung des umfriedeten Feldes im Südwesten, aber nicht bevor ich mit einem grandiosen Schuss den Zombie in dieser Richtung ausgeschaltet habe (18 gewürfelt). Das Spiel fängt gut an!

Cass ist nicht die Schnellste.

Als dritte und letzte Figur in der Ranger Phase aktiviere ich Lady Cassandra und bewege sie zweimal in Richtung des Zombies im Süden, um Mal und Imris den Weg in diese Richtung freizumachen. Mit einer Bewegung von 5″ (sie trägt schwere Rüstung) und davon der Hälfte für die zweite Bewegung kommt sie aber noch nicht an ihn ran.

Damit ist die Ranger Phase vorbei, und es startet die Enemy Phase. Hier werden alle Gegner auf dem Tisch aktiviert, und zwar in der Reihenfolge ihrer Lebenspunkte (bei Gleichstand wird ausgewürfelt wer zuerst zieht). Alle Gegner folgen einer einfachen KI: Wenn sie im Nahkampf sind, greifen sie an. Wenn nicht, schießen Fernkämpfer auf das nächste Ziel (wenn in Sichtlinie) und laden eventuell nach. Nahkämpfer bewegen sich auf das nächste Ziel zu und greifen es an, wenn sie es in einer Bewegung erreichen (ansonsten bewegen sie sich noch einmal). Wenn ein Monster keinen Helden sieht, bewegt es sich auf einem vom Szenario vorgegebenen Zielpunkt zu. Das ist hier das nächste Gebäude, in dem sich ein Hinweis befindet.

Wo sind die anderen plötzlich hin?

Die verbliebenen beiden Zombies aktivieren zuerst. Der im Süden bewegt sich zweimal um mit Cass in Kontakt zu kommen, ist aber zu langsam, um sie noch anzugreifen. Aus dem Osten schlurft ein weiterer Zombie auf Mal und Magistra Imris im Zentrum zu, die sich besorgt umschauen, denn ihre kampfstärkeren Gefährten sind anderweitig beschäftigt.

Ahhh, ich hasse Ratten!

Nun wird der Rattenschwarm aktiviert, der noch am Leben ist und ich schaue mir die Werte im Regelwerk an. Huch, der ist ja deutlich schneller als die Zombies! Zuerst sieht er zwar keinen Helden, aber nach seiner ersten Bewegung in Richtung Zielpunkt sieht er Olmric und verwickelt ihn in den Nahkampf. Für einen Angriff reicht es aber nicht mehr.

Was bewegt sich da zwischen den Bäumen?

Nun da alle Gegner aktiviert worden sind, kommt die Companion Phase. Hier dürfen alle Gefährten agieren, die nicht schon in der Ranger Phase aktiviert wurden, das sind Mal und Imris. Mal läuft zum Schuppen, um die Tür zu öffnen, während sich Imris auf die alten Eichen im Südosten zubewegt, denn dort hat sie eine Bewegung zwischen den Bäumen gesehen (es liegt ein Hinweis dort).

Das Ereignis-Deck

Als letzte Phase der Runde wird in der Event Phase ein zufälliges Ereignis des Szenarios ausgelöst. Dafür wird ein kleiner Stapel aus Spielkarten zusammengestellt, gemischt und nun die oberste Karte gezogen. Im Szenario ist aufgelistet, was sie bedeutet: Die Karo Vier besagt, dass ein neuer Zombie erscheint und zwar direkt neben einem zufällig bestimmten Hinweis.

Ich würfle den Hinweis aus, und es ist der im Schuppen am Südrand des Ortes. Die Tür wollte doch Mal gerade aufmachen!

Runde 2

Berethorn findet einen Schatz.

In der Ranger Phase dreht sich Berethorn kurz um und erledigt mit einem gezielten Schuss den Zombie im Zentrum. Mein Glück hält, denn mit der gewürfelten 17 reicht es gerade (Schießen +2 macht 19, minus Rüstung 12 macht 7 Punkte Schaden – der Zombie hat 6 Lebenspunkte). Dann setzt Berethorn über die niedrige Mauer und erreicht gerade so den ersten Hinweis. Auf der Szenario-abhängigen Tabelle wird gewürfelt, was es ist. Er findet einen Schatz! Diesen kann er nun mitnehmen und wenn er ihn am Ende des Szenarios noch hat, wird auf einer Tabelle ausgewürfelt, was es ist (wie sich später herausstellt, ist es ein Satz magischer Dietriche).

Ein Überlebender kommt aus dem Wald gerannt.

Als nächstes aktiviere ich Olmric, greife den Rattenschwarm an und würfle gleich zwei 20er! Jetzt muss ich erstmal in den Regeln nachlesen. Ah, nur Helden können kritische Treffer würfeln, Monster nicht. Toll, er besiegt also seinen dritten Gegner und kann sich noch um den nächsten Hinweis kümmern.

Aus dem Wald kommt Olmric ein überlebender Dorfbewohner entgegen gelaufen, halb wahnsinnig und kaum in der Lage ein klares Wort zu sprechen.

Der erste verlorene Nahkampf

Als dritten Helden aktiviere ich Cass, und versuche den nächsten Zombie auszuschalten. Aber zum ersten Mal verlässt mich das Würfelglück, und meine Ritterin verliert den Nahkampf. Jetzt könnte der Zombie sie ihm Gegenzug verletzen, aber glücklicherweise war sein Wurf zu niedrig, um ihre stattliche Rüstung zu durchdringen.

Auch in der Gegnerphase kann keiner der beiden einen Treffer landen. Der Zombie im Schuppen sieht niemanden und steht schon auf dem Zielpunkt (dem Hinweis und Gebäude) und macht daher nichts.

Das Schloss zu öffnen ist eine leichte Übung für Mal.

In der Gefährtenphase öffnet Mal mit geübten Fingern das Schloss des Schuppens. Die Häuser mit Hinweis brauchen als Aktion einen Schlösser Öffnen oder Stärke Wurf mit TN8, um sie öffnen … Kleinkram für den geschickten Dieb. Da er aber verdächtige Geräusche aus dem Innern hört, geht er lieber nicht hinein.

Unterdessen stöbert Magistra Imris zwischen den Eichen herum und findet etwas – einen Zombie! Urplötzlich steht sie einem Untoten gegenüber, und kann ihm nicht mehr ausweichen. Hinweis 3 ergibt auf der Tabelle einen Zombie der den Suchenden überrascht. Glücklicherweise kann jedes Ergebnis nur einmal vorkommen!

Das Ereignis am Ende der zweiten Runde (Karo 9) besagt, dass sich das Miasma einer Krankheit ausbreitet. Jeder Held, der auf 0 Lebenspunkte reduziert wird, muss am Ende des Spiels eine Probe auf seine Gesundheit machen, um nicht krank in das nächste Szenario zu starten. Null Lebenspunkte heißt hier nicht automatischer Tod, sondern nur, dass der Held für das Szenario ausgeschaltet ist.

Runde 3

Uh oh, das war ein Zombie zwischen den Eichen!

Die nächste Runde beginnt gemischt. Cass hat wieder Pech und nimmt diesmal eine schwere Wunde von ihrem Zombie hin, so dass Berethorn sich auf den Weg macht, ihr zu helfen. Dagegen überrascht mich Imris damit, dass sie ihren Gegner mit einem einzigen beherzten Hieb ausschaltet.

Mal macht sich auf den Weg zum nächsten Gebäude mit einem Hinweis, während Omric in Richtung des sumpfigen Geländes im Nordosten läuft. Der Überlebende Dorfbewohner ist ziemlich langsam und kommt nicht hinterher. Am Ende der Runde erscheinen zwei weitere Zombies am Rande des Spielfelds.

Das wäre nicht nötig gewesen!

Runde 4

Berethorn kommt Cass zur Hilfe und schaltet ihren Zombie aus. Olmric stöbert im Sumpf herum und findet merkwürdige Spuren, die ihm aber vage bekannt vorkommen. Um sie zu identifizieren muss er einen TN6 Wurf auf Spurenlesen machen, dass er gar nicht hat. Er würfelt eine 6!

Auch dieses Schloss lässt sich leicht öffnen.

In der Gegnerphase kommen die beiden neuen Zombies näher, während einer weiterhin im Schuppen lauert. Danach stürzt sich Imris, von ihren ersten Kampf ermutigt auf einen der Zombies, und gewinnt auch den Kampf, allerdings ohne den Zombie vollständig auszuschalten. Mal öffnet leichtfingrig auch die nächste Tür. In der Ereignisphase erscheinen zwei neue Rattenschwärme.

Runde 5

Jagd um den Hinkelstein

Cass und Berethorn nicken sich zu und stürmen dann gemeinsam den Schuppen. Mit einer Gruppenaktivierung können Charaktere, die sehr nahe beieinander sind, gemeinsam aktiviert werden. Sie können sich dann erst alle bewegen und dann ihre zweiten Aktionen machen. Das ist nützlich, da man einen Bonus von +2 pro zusätzlichen Verbündeten im Kampf bekommt. Dank der gemeinsamen Aktion haben die beiden kein Problem mit dem Zombie im Schuppen und finden anschließend einige nützliche Kräuter.

Magistra Imris ringt weiterhin mit dem Zombie in der Nähe des Karrens. Vielleicht hätte sie doch nicht so wagemutig sein sollen? Wer aber noch mehr in Gefahr gerät, ist der überlebende Dorfbewohner, denn ihn nehmen sowohl ein Zombie als auch ein Rattenschwarm aufs Korn.

Am Ende der Runde erscheint ein weiter Rattenschwarm, und springt aus dem zweiten Haus mit Hinweis Mal direkt ins Gesicht. Uh oh, wird der Gute sich dieser Bedrohung erwehren können?

Totale Überraschung

Runde 6

Es sieht so aus, als wäre Mal genauso überrascht wie die Ratten, denn beide würfeln für ihren Kampf in der nächsten Ranger Phase eine 1. Imris schafft es weiterhin nicht, ihren Zombie zu besiegen, schlägt sich aber tapfer. Berethorn versucht den Zombie in der Dorfmitte mit einem Schuss auszuschalten, kann ihn aber nur verwunden.

Oh nein, wir konnten ihn nicht beschützen!

Das bedeutet leider, das der Überlebende sowohl von Ratten als auch dem Zombie angegriffen wird, und das war es dann mit seinem Überleben. Er geht unter dem Schwarm an Nagern zu Boden. Cass schlägt sich mit einem weiteren Schwarm herum und hat wieder Problem, die Oberhand zu gewinnen. Mal nimmt eine böse Wunde hin, würfelt aber glücklicherweise gut genug, um sich nicht mit der Krankheit zu infizieren, die die Ratten übertragen.

Geht weg, ihr Ratten!

Dafür rächt er sich in der Gefährtenphase und besiegt die Ratten mit einem kritischen Treffer! Er schlüpft endlich ins Gebäude und findet das Objekt der Suche: den Ranger Aventine. Es handelt sich aber leider nur noch um dessen sterbliche Überreste und sein magisches Schwert, dass der findige Gnom direkt an sich nimmt. Am Ende der Runde erscheinen zwei weitere Zombies.

Runde 7

Auf dem Dorfplatz versucht Berethorn den Zombie zu treffen und auszuschalten … verfehlt aber. Auch die Ratten kommen auf ihn zu. Das könnte haarig werden. Glücklicherweise kommt Mal ihn zu Hilfe und stürzt sich mit dem neu gefunden magischen Schwert in den Kampf.

Imris erschlägt endlich ihren Zombie, ganz ohne Hilfe, aber Cas hat einfach kein Glück gegen die Ratten. Und was ist mit Olmric? Nachdem er die Spuren im Sumpf gefunden hatte, ist er vorsichtig ums Haus geschlichen und hat sich wohlweislich aus allen Kämpfen herausgehalten.

Olmric, Olmric, was tust du bloß?

Das wird ihm nun zum Verhängnis, denn die Hauswand gibt plötzlich nach, stürzt ein und begräbt den Zauberer unter sich (Ereignis am Ende der Runde)! Er nimmt einen Angriff mit +4 hin und die gewürfelte 19 bringt seine Lebenspunkte auf Null. Armer Olmric, du warst so erfolgreich bisher.

Runde 8

Da inzwischen alle Hinweise entdeckt sind, birgt die letzte Runde keine großen Überraschungen mehr, außer dass Cas endlich ihr erstes Monster besiegt! Die arme Ritterin hatte wirklich schlimmes Pech. Aber immerhin hat sie alles überstanden, im Gegensatz zu Olmric.

Ende des Spiels

Für die besiegten Monster (8 Zombies und 5 Ratten), sowie die gefundenen Hinweise bekomme ich 85 Erfahrungspunkte. Olmric muss auf der Recovery Tabelle würfeln und es stellt sich heraus, dass er eine schwere Verletzung erlitten hat. Die einstürzende Hauswand hat die Zehen eines Fußes zerquetscht, was seine Bewegung dauerhaft um einen halben Zoll reduziert. Glücklicherweise schafft er seinen Wurf gegen die Krankheit, die sich hier ausgebreitet hat.

Aber wir haben eine Spur gefunden, die auf Spinnen hindeutet und tiefer in den Wald führt. Wir werden ihr folgen, hoffentlich herausfinden was hier passiert ist und vielleicht das nächste Mal ein paar Überlebende retten können!

Fazit

Das hat sehr viel Spaß gemacht. Das Spiel geht sehr flüssig von der Hand, und man muss schon aufpassen, was man mit seinen Helden macht. Die Würfel waren mir insgesamt recht wohlgesonnen, ansonsten hätte das Spiel auch deutlich knapper werden können. Ich freue mich schon auf die nächste Partie.

Zurück nach Mittelerde: Die Schlacht auf den Pelennor-Feldern

Middle-earth Tabletop-Strategiespiel

Nachdem das großartige Runewars-Miniaturenspiel mich tiefer in das Tabletop-Miniaturen Hobby hineingezogen hat, ist es kein Wunder, dass mich der Weg auch in diesem Dschungel zu Tolkiens Herr der Ringe und nach Mittelerde führt, und zwar zum Middle-earth Tabletop-Strategiespiel von Games Workshop.

Der Auslöser war die Neuauflage dieses Klassikers in Form der Starter-Box „Die Schlacht auf den Pelennor-Feldern“. Ursprünglich wurde das Spiel 2001 anlässlich der Filme von Peter Jackson veröffentlicht und schon damals faszinierten mich die wunderschönen Miniaturen. Ich besorgte mir ein paar Figuren und bemalte sie, kam aber nie dazu das Spiel selbst zu spielen.

Starter-Box: Die Schlacht auf den Pelennor-Feldern

Und dann kam 2018 diese Pelennor-Box in die Läden. Zu einem sagenhaften Angebot von €90 (inzwischen €120) gab es 84 Miniaturen, inklusive eines großartigen Nazgûl auf geflügeltem Untier, und vor allen Dingen das komplette neue Regelwerk im Hardcover. Wie konnte ich da widerstehen?

Nun ist es ein Jahr später und gestern habe ich die letzte Figur aus der Box fertig bemalt und bewundere den Inhalt auf meinem Küchen- und Spieltisch.

Yeah, alles fertig bemalt!

Seit dem Kauf der Box habe ich eine modulare Spielfläche gebastelt, eine Menge Geld für weitere Figuren ausgegeben, und – man höre und staune – auch einige Partien gespielt. Daher werde ich die Box hier vorstellen, bevor ich demnächst hoffentlich eine etwas ausführlichere Rezension der Regeln machen kann.

Die Miniaturen

Wie schon gesagt enthält die Box 84 Plastik Miniaturen. Davon sind

  • 36 Morannon-Orks
  • 1 Mordor-Troll
  • 1 Ringgeist auf geflügeltem Untier
  • 20 Krieger der Toten
  • 12 Krieger von Rohan
  • 12 Reiter von Rohan
  • 1 Theoden zu Fuß
  • 1 Theoden auf Schneemähne

Wie schon beim Runewars-Miniaturenspiel sind diese Figuren natürlich noch nicht bemalt und auch noch nicht zusammengebaut! Teilweise bestehen die Miniaturen aus vielen verschiedenen Teilen, und der Zusammenbau ist schon eine kleine Herausforderung. Dafür bekommt man aber auch eine Menge Optionen. So kann man den Ringgeist sowohl als „normalen“ Nazgûl oder als Hexenkönig von Angmar mit oder ohne flammende Klinge basteln. Auch der Troll ist vielfältig: Vom schwer gepanzerten mit Schild und Schwert bis zum riesigen Trommler sind viele Varianten möglich.

Die Qualität der Miniaturen ist durchgehend sehr gut, schwankt aber ein bisschen, je nach Alter des Designs. Nur die Theoden-Figuren sind wirklich neu – alle anderen wurden schon früher für das Spiel produziert – und an der Spitze was Detailgrad angeht. Die schwächsten sind wahrscheinlich die Krieger von Rohan (zu Fuß), denen man ihr Alter ein wenig anmerkt.

Die Bemalung erfordert natürlich einiges an Arbeit, und wenn man keinen professionellen Mal-Service bemühen will, sollte man schon seinen Spaß an diesem Hobby haben. Wenn man es aber genießt, bekommt man hier viele tolle Miniaturen, die nicht zu schwierig zu bemalen sind und den Aufwand mit einem großartigen Auftritt auf dem Schlachtfeld belohnen.

Die Regeln und Szenarien

Das wunderschöne Hardcover-Regelbuch hat 208 Seiten und viele Illustrationen aus den HdR- und Hobbit-Filmen. Ich werde hier nicht groß auf die Regeln eingehen, sondern nur kurz sagen, dass das Spielsystem nicht so taktisch wie das Runewars-Miniaturenspiel ist, aber auch kein reines Glücksspiel. Es wird viel gewürfelt, aber nicht ganz so große Mengen an Würfeln wie bei Age of Sigmar oder Warhammer 40k, den anderen großen Systemen von Games Workshop.

Für mich liegt die Stärke des Middle-earth Tabletop-Spiels aber auch nicht in den Schlachten, in denen man Armeen mit einer festen Punktzahl gegeneinander antreten lässt, sondern in den thematischen Szenarien, die Szenen der Filme und Bücher in spielerischer Form nacherzählen.

So haben wir eine Reihe von vier Szenarien gespielt, die Reise der Gemeinschaft durch die Höhlen von Moria nacherzählt, vom Angriff des Wächters im See bis zur Flucht über die Brücke von Khazad-dûm.

Die Pelennor-Box selber enthält ein Heft mit 4 Szenarien zur namensgebenden Schlacht, die gleichzeitig als Tutorial fungieren. Schritt für Schritt wird man in die verschiedenen Aspekte der Regeln eingeführt, bis man im vierten Gefecht alle Regeln und Figuren aus der Box verwendet.

Das Regelbuch stellt eine Reihe von generischen Szenarien zur Verfügung, die man mit beliebigen Truppen spielen kann, aber dazu muss man sagen, dass die Armeelisten mit den Punktekosten für alle Figuren nicht enthalten sind. Dafür gibt es zwei weitere Bücher, eines für den Herrn der Ringe, das andere für den Hobbit, die getrennt gekauft werden müssen.

Sonstiges Material

Der Rest der Box ist eigentlich nur Beiwerk: zwölf kleine sechsseitige Würfel (sechs rot, sechs grün), zwei flexible Maßstäbe zum Messen von Reichweite und Bewegung (erstaunlich praktisch) und ein paar Pappmarker. Letztere sind eine Neuheit in dieser Ausgabe des Spiels, denn sonst kam GW immer ohne Marker auf dem Spieltisch aus. Allerdings sind sie wirklich ganz nützlich, wenn man Zustände wie „am Boden“ nicht nur das Hinlegen der Figuren selber markieren will.

Preis und Fazit

Für den Preis der Box muss man nur ein kurzes Rechenexempel an den Einzelpreisen durchführen, um zu sehen wie relativ günstig sie ist:

  • Regelwerk: 45€
  • Nazgûl auf Geflügeltem Schatten: 50€
  • Mordor-Troll: 32,50€
  • 36 Morannon-Orks: 34€
  • Theoden zu Fuß und Beritten: 25€
  • 12 Reiter von Rohan: 50€
  • 12 Krieger von Rohan: 17€
  • 20 Krieger der Toten: 34€

Das macht insgesamt 287,50€ gegenüber den €120 für die Box, und dazu bekommt man noch das Szenarien-Heft, die Würfel, Marker und Maßstäbe.

Das heißt natürlich nicht, dass das ganze eine billige Angelegenheit ist. Ist man einmal im Hobby drin, will man natürlich mehr Figuren, und die Preise für die sind bei Games Workshop nicht gerade niedrig. Dazu kommen die Kosten für die Bemalung und eventuell Geländebau. Das sollte man wissen, wenn man sich auf das Tabletop-Hobby einlässt.

Aber wenn man das tun will, dann ist die Box „Die Schlacht auf den Pelennor-Feldern“ ein großartiger Einstieg in das Middle-earth Tabletop-Strategiespiel, mit dem man den Ringkrieg auf der Ebene der Schlachten, Gefechte und Scharmützel ein weiteres Mal prima ausfechten kann. Mich hat es auf jeden Fall gepackt, und ich freue mich schon auf unsere geplante „Die Gefährten“-Kampagne, mit der wir das erste Buch bzw. den ersten Film einmal vom Aufbruch aus dem Auenland bis zum Zerfall der Gemeinschaft durchspielen wollen. Diese Herren warten auf ihren Einsatz…

Wir suchen „Beutlin“!

Ringkrieger unterwegs: Die MelBelCon

Welver Ortsteil Dinker

Welver, Ortsteil Dinker

Welver – eine kleine Gemeinde in Westfalen zwischen Soest und Hamm. Felder, Weiden, Bauernhöfe, die Autobahn A2 und in der Ferne die Kühltürme des Kraftwerks Westfalen. Nicht gerade ein Ballungszentrum, in dem man eine Tabletop Convention und das bisher größte deutsche Runewars-Turnier Deutschlands erwartet. Aber hier ist auch die Heimat von Melanie Hausmann und „Made by Melbel“, einem kleinem aber feinen Shop für individuelles und handgefertigtes Spielzubehör. Melanie und ihr Mann Michael sind – soweit ich das beurteilen kann – fester Bestandteil der deutschen Tabletopszene und richten dieses Jahr zum ersten Mal ihre eigene Convention aus: Die schon genannte MelBelCon. Außerdem richten sie an diesem Wochenende drei Turniere aus: Am Samstag für Star Wars: X-Wing, am morgigen Sonntag für Star Wars: Armada und morgen am Montag eins für Runewars, und für das bin ich angemeldet.

Welver_Brueckenkopf

Der Brückenkopf

So bin ich an diesem schönen Sonntag Morgen nach Norden gebraust und finde mich an der Schützenhalle Dinker wieder, vor der schon eine gute Reihe Autos parkt. Am Eingang werde ich von Michael selbst begrüßt und erwürfele meinen „Eintritt“, der Spende für einen guten Zweck ist (ich komme günstig weg). Auch Melanie läuft mir fast sofort über den Weg und ich werde fröhlich begrüßt – wir haben uns letztes Jahr auf der Spiel in Essen kurz getroffen.

Welver_DerKleineKrieger

Der Kleine Krieger – Spieleladen aus Erfurt

Die Halle ist hell und geräumig, und es sind nicht nur viele Besucher da, sondern auch eine Menge Demotische für die verschiedensten Spiele aufgebaut. An Händlern sind der Kleine Krieger aus Erfurt, Shiftinglands und der Brückenkopf präsent.

Dropfleet Commander

Ich bin noch dabei eine erste Runde um die Tische zu machen und all die wunderbaren Geländestücke und Miniaturen zu bestaunen, als ich von David überrascht werde – meinen Runewars-Spielpartner aus der Heimat, der es trotz sehr knapper Zeit auch hierher geschafft hat. Leider wird er nicht beim Turnier dabei sein können, aber zumindest ein gemeinsames Demo-Spiel können wir heute zocken. Wir suchen uns Dropfleet Commander aus – ein SciFi-Spiel um Raumschiffschlachten in Atmosphäre und Orbit eines Planeten.

 Dropfleet Commander

Eine Demorunde Dropfleet Commander

Wir bekommen eine sehr kundige Einweisung wie wir unsere Landetruppen auf die Planetenoberfläche bringen müssen, um den Sieg zu erringen, während sich die großen und kleinen Raumkampfschiffe gegenseitig in Weltraumschrott verwandeln. Dabei haben Davids United Colonies of Mankind eindeutig die Oberhand im Raumkampf gegen meine außerirdischen Scourge – aber der Bodenkampf ist das entscheidende und geht am Ende ziemlich unentschieden aus.

Es ist ein bisschen komisch, dass sich der Spielsieg am Ende nur über den eher unspektakulären Kampf der Einheiten am Boden entscheidet, zumal dieser nur über Pappmarker dargestellt wird, aber das mag an der eher begrenzten Demorunde liegen. Auf jeden Fall sehen die Miniaturen der Raumschiffe aber großartig aus und sind super bemalt, so dass das Spiel ein Fest fürs Auge ist.

Raumkreuzer der Scourge

Dropfleet Commander: Raumkreuzer der Scourge

Star Wars: Legion

Star Wars Legion -Stormtrooper gegen Rey

Leider muss David bald nach der Partie, die eine ganze Weile gedauert hat, schon wieder los, aber es gibt auch für mich alleine genug zu sehen und zu tun. Nach dem einen oder anderen Schwätzchen ergattere ich einen Platz am heiß umkämpften Demotisch für Star Wars: Legion, dem neuen Miniaturenspiel von Fantasy Flight Games.

„Nur imperiale Sturmtruppen arbeiten so präzise.“ Obi-Wan Kenobi

Ich führe zwei Trupps Sturmtruppen, zwei Speeder Bikes und Darth Vader ins Gefecht gegen Sohnemann Luke und seine Rebellen (bestehend aus zwei Trupps und einem AT-RT), aber meine Sturmtruppen schießen wie im Film … immer daneben.

Das Spiel spielt sich flüssig, schnell und abwechslungsreich, aber ich vermisse etwas den Bluff- und Gegner-Einschätzen-Aspekt von Runewars. Dafür wird Gelände und das Positionieren bei Legion wahrscheinlich etwas wichtiger sein, zumindest wenn man eine volle Partie spielt. Dazu kommt natürlich das ikonische Flair von Star Wars und auch hier die tollen Figuren – insbesondere der riesige AT-ST ist eine Augenweide.

Das Schlachtfeld von Star Wars Legion

Of Gods and Mortals (and BBQ)

Langsam beginnt mein Magen zu nörgeln, denn so viel Kämpfen macht hungrig. Glücklicherweise versorgen uns Melanie und Michael mit reichlich Möglichkeiten dieses Grundbedürfnis zu stillen. Es steht eine riesige Menge verschiedener Kuchen zur Auswahl und vor der Halle brutzeln leckere Steaks und Würstchen auf dem Grill. Auch in dieser Hinsicht lässt die MelBelCon also keine Wünsche offen.

Zeus et al

Of Gods and Mortals: Zeus und seine Helden und Monster

Zum Abschluss des Tages ließ ich mir dann noch ein letzten Spiel erklären und demonstrieren: Of Gods and Mortals von Osprey Publishing. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Schlachtplatten aus Plastikfiguren und massenweise Material, ist Of Gods and Mortals nur ein schmales Buch an Regeln und verlässt sich auf die Miniaturen- und Geländesammlung der Spieler. Das Regelwerk von Andrea Sfiligoi ist sehr einfach, hat dabei aber eine erstaunliche Spieltiefe an Taktik.

Ich durfte eine Truppe nordischer Figuren, bestehend aus Odin, einem Feuerriesen, Walküren, Nornen und Wikingern gegen Zeus, Herkules, die Hydra, Medusa und griechische Krieger in die Schlacht führen und hatte großen Spaß dabei. Auch hier machten die toll bemalten Figuren des Spielbesitzers eine Menge her.

Welver Airbnb

Blick aus meiner AirBnB Wohnung

So langsam leert sich die Veranstaltung, und ich bereue schon, nicht auch am Samstag hier gewesen zu sein. Wie ich höre, gab es am Vortag durchaus noch eine andere Auswahl an Tischen und Demorunden, und ich hätte gerne noch mehr ausprobiert. Im Nebenraum geht auch das Armada-Turnier seinem Ende entgegen – dort werden wir unsere Schlachten gegeneinander austragen. Aber für heute wird es Zeit, mein AirBnB-Zimmer zu suchen, mich bei einem Spaziergang zu entspannen und mich seelisch auf mein zweites Tabletop-Turnier überhaupt vorzubereiten (vor Jahren habe ich mal ein X-Wing Turnier gespielt).

Welver Panorama

Welver Panorama beim abendlichen Spaziergang

Meine Gastgeber in Welver stellen sich auch als super nett und gastfreundlich heraus. Nicht nur habe ich eine gemütliche Unterkunft, sondern ich werde auch noch zum Grillen eingeladen und verbringe ein paar Stunden bei guter Unterhaltung. Ein großartiger Tag und morgen … ja, von morgen berichte ich ein anderes Mal.

Gespielt: Star Wars – Rebellion

Frisch eingetroffen: Stars War In A Box!

Frisch eingetroffen: Stars War In A Box!

Nachdem letzte Woche das lang ersehnte Star Wars Rebellion eintraf, konnte ich es gar nicht abwarten es auszuprobieren. Glücklicherweise gab das lange Pfingstwochenende Gelegenheit dazu, und ich konnte mich mit einem langjährigen Freund und Spiele-Partner für eine genüssliche Einführungsrunde treffen. Wir hatten den ganzen Nachmittag und Abend eingeplant, da wir mit einem langen Spiel rechneten.

Learn to Play

Übersichtlich und reich mit Beispielen illustriert: Das „Learn to Play“ Regelbuch

Wir ließen uns entsprechend Zeit mit dem Erklären, aber die Regeln sind auch sehr logisch aufgebaut und eingängig, so dass wir keine wesentlichen Regelfehler beim Spiel gemacht haben (denke ich zumindest). Ich mag die neue Art und Weise, wie Fantasy Flight Games die Regeln handhabt: Ein „Learn to Play“ Buch, das der Einführung und dem Lernen dient, und eine „Rules Reference“, in der alle Regeln nochmal im Detail zum Nachschlagen aufgeführt werden. Im Referenzbuch finde ich immer alles sehr schnell, was ich während des Spiel nachschlagen möchte.

Spielbeginn: Die Galaxis scheint fest in der Hand des Imperiums.

Spielbeginn: Die Galaxis scheint fest in der Hand des Imperiums.

Ich übernehme die Allianz der Rebellen, und schon beim Aufbau kommt mir dieser nagende Gedanke: „Wie soll ich das bloß schaffen?“ Die Rebellen sind dem Imperium militärisch hoffnungslos unterlegen. Während die Bösen nämlich bereits zu Beginn mit einem Todesstern und drei Sternenzerstörern aufwarten können, hat die Allianz gerade mal eine mickrige Correlianische Fregatte zur Verfügung. Aber halt, kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? Die militärische Ausgangssituation ist im Ringkrieg für die Freien Völker ähnlich düster. Also Kopf hoch und frohgemut los gespielt!

Das Imperium legt kräftig damit los, meine wenigen loyalen und ungeschützten Systeme zu unterwerfen und sich dabei auszubreiten. Jedes unterjochte System ist eins, auf dem sich die Rebellenbasis nicht verbergen kann. Ich versuche dagegen, so viele Missionen wie möglich durchzuführen. Mon Mothma überzeugt Geonosis sich der Rebellion anzuschließen, während Leia die Pläne des Imperiums ausspioniert, Obi-wan kommt der Allianz zu Hilfe und meine Agenten beginnen eine Sabotage-Kampagne auf den industriellen Zentren des Imperiums. Das wird mir erlauben den Ruf der Rebellion zu festigen (ein erstes Ziel wird erfüllt, plus 1 Reputation). Darüber vernachlässige ich aber notgedrungen meine Flottenbewegungen, und eine imperial Flotte stellt meine mageren Raumstreitkräfte im Nal Hutta System zur Schlacht. Ein geschicktes Manöver des Admirals verhindert einen Rückzug, meine Flotte wird komplett zerstört. Im Raumkampf wird die Rebellion danach nie wieder eine Bedrohung für das Imperium darstellen.

Special Agent Leia mit ihrer treuen R2 Einheit.

Special Agent Leia mit ihrer treuen R2 Einheit.

Als meine beste und wichtigste Agentin stellt sich schon bald Prinzessin Leia heraus, die mit ihrem treuen R2D2 zahllose wichtige Pläne des Imperators durchkreuzt. Die Sonderfähigkeit von R2 musste sie im ganzen Spiel witzigerweise nie einsetzen. Immer gelang es ihr, durch ihren normalen Wurf den Erfolg des Gegners zu verhindern. Ihr unbekannter Zwilling Luke Skywalker bleibt dagegen als Farmer auf Tatooine und wird sich nie der Rebellion anschließen.

Darth Vader nimmt seinen alten Meister Obi-wan gefangen.

Darth Vader nimmt seinen alten Meister Obi-wan gefangen.

Nachdem das Imperium das rebellische Geonosis mit roher Gewalt unter seine Knute gebracht hat, entwickelt sich der Planet zu einem Zentrum des geheimen Kampfes um die Freiheit der Galaxis. Obi-wan Kenobi wird dort von Darth Vader gefangen genommen, und als Han Solo mit Hilfe des Millenium Falcon den alten Jedi befreit, gerät er selber in die Fänge des Sith Lords. Ein Befreiungsversuch Leias scheitert – eine ihrer wenigen misslungen Missionen – aber der treue Gefährte Chewbacca kann wenigstens verhindern, dass Han in Carbonit eingefroren wird.

Machtdemonstration des Imperiums: Das friedliche Toydaria wird gnadenlos zerstört.

Machtdemonstration des Imperiums: Das friedliche Toydaria wird gnadenlos zerstört.

Als auch Bothawui besetzt wird, wird es den Rebellen in diesem Raumsektor zu heiss – die geheime Basis war auf Tatooine und wird nun verlegt. Glücklicherweise gab es kurz zuvor einen Aufstand der geknechteten Wookies auf Kashyyyk und die Allianz beschließt, dort im Herzen des Reiches einen neuen Stützpunkt aufzubauen während die imperialen Flotten am Rande der Galaxis suchen. Aber ein Blick auf den Fortschritt der Zeitleiste und des Probe Decks lässt mich trotzdem schier verzweifeln. Wie soll ich das noch so lange durchhalten, wo das Imperium doch immer nur einen Schritt von der geheimen Basis entfernt zu sein scheint?

Rebellen? Auf Yavin? Kann gar nicht sein.

Rebellen? Auf Yavin? Kann gar nicht sein.

Aber eine aufsehenerregende Militäraktion lässt mich Hoffnung schöpfen. Einen Spezialkommando unter Führung von Chewie gelingt es, kurzzeitig Coruscant unter seine Kontrolle zu bringen und Chaos in der imperialen Führung zu stiften (plus 2 Punkte Reputation). Zwar gelingt es dem Imperium schnell, die Situation zu bereinigen, aber in der Folge kann ich von Ord Mantell aus das benachbarte Mandalore befreien, was der Rebellion weiteren Zulauf bringt (1 weiterer Punkt Reputation). Währenddessen erreicht der Todesstern das abgelegene Yavin, in der festen Überzeugung nun endlich die Rebellenbasis zu finden – aber dort ist nur ein verlassener Außenposten.

Han wartet schon lange auf seine Rettung.

Han wartet schon lange auf seine Rettung.

Nun läuft dem Imperium dann doch die Zeit davon. Die Basis kann aus seiner Sicht nur noch auf Kashyyk oder Malastare sein, aber sie ist inzwischen auch stark verteidigt. Zwei Runden bleiben dem Imperator noch, sie zu finden und zu zerstören, und der Todesstern ist nicht in Reichweite. Die Flotte schlägt auf Malastare zu… wieder kein Erfolg. Nun revanchiert sich Obi-wan und befreit Han Solo endlich aus seinem Kerker auf Geonosis. Gleichzeitig deckt er die finsteren Taten des Imperiums auf und weckt damit große Sympathien für die Allianz (1 Punkt Reputation). Damit ist der große Aufstand da und System nach System fällt vom Imperium ab, die Rebellen haben den Krieg gewonnen!

Vader schlägt auf Malastare zu, aber seine Informationen waren unvollständig. Der geheime Stützpunkt war auf dem benachbarten Kashyyk.

Vader schlägt auf Malastare zu, aber seine Informationen waren unvollständig. Der geheime Stützpunkt war auf dem benachbarten Kashyyk.

Wow, es ist schon fast 22 Uhr und wir haben insgesamt über 5 Stunden an der Partie gespielt. Aber die Zeit ist wie im Flug vergangen, denn es war die ganze Zeit super spannend. Ganz lange war ich mir wirklich sicher, dass ich keine Chance haben würde, die Basis lange genug vor dem Imperium zu verstecken, aber dann hat es am Ende tatsächlich gerade noch so gereicht. Hätte das Imperium Kashyyk angegriffen, hätte ich den Bodenkampf möglicherweise noch gewinnen und die Basis ein weiteres Mal verlegen können. Aber das war alles andere als eine sichere Sache.

Vom Spielgefühl erinnert Rebellion durchaus an den Ringkrieg. Es ist genauso spannend (zumindest diese Partie), genauso thematisch und genauso beeindruckend auf dem Tisch. Vielleicht ist es nicht ganz so episch, weil die Charaktere nicht so eng in das Gesamtgeschehen eingebunden sind. Es kommt eher selten vor, dass eine liebgewonnene Figur sich opfert, um das Spielziel doch noch zu erreichen. Auch sind die Kämpfe im Ringkrieg taktischer und besser planbar, weil man schon vorher weiß, was man für Kampfkarten auf der Hand hat. Nichtsdestotrotz war die erste Partie Star Wars – Rebellion für uns ein voller Erfolg. Ich freue mich schon auf die nächste.

Schachteleinsatz für Conan – Zeitalter der Kriege

Ein Schachteleinsatz für Grundspiel und Erweiterung

Ein Schachteleinsatz für Grundspiel und Erweiterung

Nachdem ich in letzter Zeit viel Spaß am Basteln von Schachteleinsätzen aus Foamcore hatte, habe ich mich für „Conan – Zeitalter der Kriege“ hingesetzt und eine Aufbewahrung gebaut, in die auch die Komponenten der Erweiterung „Adventures in Hyboria“ hinein passen. Das Ergebnis gefällt mir gut, und daher teile ich die Pläne an dieser Stelle.

Der Bauplan des Einsatzes

Der Bauplan des Einsatzes

Vier Spieler-Schachteln enthalten alle Materialien, die die Spieler brauchen, während ein großes, flaches Teil Platz für alle Karten, die Würfel und Marker bietet. Darüber kommt der Spielplan, der allerdings nicht die ganze Breite der Schachtel einnimmt. Um diese Lücke zu schließen gibt es noch eine optionale Marker-Schachtel, die man im Spiel für das Gold oder ähnliches verwenden kann.

Die PDF-Datei mit den Plänen und Bilder zur Veranschaulichung findet ihr unter diesem Link: Age Of Conan Insert v1.1.

Gespielt: Conan – Abenteuer in Hyborien

Kickstarter: Die Box, Münzen und Beutel

Kickstarter: Die Box, Münzen und Beutel

Nachdem ich letzte Woche endlich die Erweiterung für Conan – Zeitalter der Kriege in den Händen halten durfte, war ich natürlich sehr ungeduldig, es auch endlich spielen zu können. Zur Erinnerung: Ich habe vor anderthalb Jahren den Kickstarter für „Adventures in Hyboria“ unterstützt. Mit einem Jahr Verspätung wurde das Spiel nun ausgeliefert. Das ist keine ungewöhnliche Zeit für Kickstarterprojekte, und ich bin nun mit dem Spiel auch sehr zufrieden. Die schicken Metallmünzen sind großartig, und auch spieltechnisch ist die Erweiterung ein guter Wurf. Aber dazu gleich mehr.

Der Inhalt der Erweiterung plus das KS-Bonusmaterial

Der Inhalt der Erweiterung plus das KS-Bonusmaterial

Zu meinem Glück war für den 1. Mai sowieso ein Brettspieltreffen mit Freunden von den Limburger Kellerkindern angesagt, die genauso heiß auf eine Partie Conan waren wie ich. Also schnell die Box ausgepackt, sortiert und die Regeln gelesen. Der Mix aus Englisch und Deutsch sollte in dieser Runde kein Problem sein, aber es sind schon eine ganze Menge neuer Regeln, insbesondere, wenn man die Extras für die Kickstarter-Unterstützer mit dazu nimmt. Also lasse ich die erst einmal weg und beschränke mich auf die „offziellen“ neuen Regeln der Erweiterung. Das sollte erst mal genug Stoff sein.

Der Aufbau ist fertig, die Spieler können kommen

Der Aufbau ist fertig, die Spieler können kommen

Das Spielbrett ist kompakt, so dass wir mir weniger Platz auskommen, als bei Sails of Glory oder Twilight Imperium, aber trotzdem findet sich eine Menge Zeug auf dem Tisch.

Das Erklären der Regeln (nur ich habe das Grundspiel schon mal gespielt) dauert eine Weile, denn das Spiel hat viele ineinander greifende Teile, und es ist als Anfänger etwas schwer zu verstehen, wie alles zusammen passt. „Ja, ich kann darauf bieten Conan-Spieler zu werden und verstehe auch wie das geht, aber was bringt mir das und wie wirkt sich das im weiteren Spiel aus?“ Auch ich kann nicht mehr oder noch alles überblicken, da die Erweiterung eine ganze Menge Details verändert und hinzufügt.

Die Anfangsaufstellung mit den vier Reichen.

Die Anfangsaufstellung mit den vier Reichen.

Also losgespielt, die Feinheiten müssen wir während der Partie verstehen. Ich übernehme Turan (gelb), Erik spielt Hyperborea (lila), Nico Aquilonien (rot) und Christian nimmt das finstere Stygien (grün). Unsere Abgesandten schwärmen aus, meine berittenen Bogenschützen helfen Zamora zu erobern, und Conan der Krieger macht sich auf die Wanderschaft durch den Norden der hyborischen Lande. Ich stelle fest, das Conan mit der Erweiterung deutlich häufiger Geschichten erlebt und damit der Conan-Spieler öfter wechselt, dafür aber seine Abenteuer-Reisen und damit die Zeitalter länger dauern. Hyperborea hat eine Weile den größten Einfluss auf den Barbaren, der eine Menge Liebschaften auf seinen Reisen erlebt (viele Frauen-Marker werden gezogen).

Zamora

Zamora wird zur am härtesten umkämpften Provinz des Spiels.

Das erste Zeitalter schreitet voran und die ersten Konflikte zwischen den Reichen entstehen. Das geht schneller als im Grundspiel, insbesondere die Spione laden dazu ein, einem Mitspieler schon mal in die Suppe zu spucken – oder wohl eher das Breitschwert zwischen die Rippen zu rammen. Hyperborea fädelt eine Intrige in Zamora ein und machst sich die Provinz zum Verbündeten. Das kann sich Turan natürlich nicht gefallen lassen, und meine berittenen Bogenschützen erobern Zamora im Gegenschlag. Das leert allerdings meine Staatskasse völlig (die sind teuer!) und ich muss zusehen, wie ich wieder zu Geld komme. Stygien schließt währenddessen Bündnis um Bündnis und sammelt riesige Goldschätze. Dafür erleiden stygische Truppen eine Schlappe in den Schwarzen Königreichen, und sein Militär bleibt klein und schwach. Aquilonien breitet sich unterdessen langsam aber stetig aus, auf eine gute Balance zwischen diplomatischen Initiativen und militärischen Schlägen bedacht.

Conan der Söldner erobert Zamora für Hyperborea

Conan der Söldner erobert Zamora für Hyperborea

Conan’s Ruhm und Erfahrung steigen schnell und um die Wende zum zweiten Zeitalter, wird er vom umherziehenden Krieger zum Söldner. Stygiens Goldschätze zahlen sich nun aus und es stellt gewaltige Armeen auf. Ich muss mich mit weniger neuen Einheiten begnügen, schließlich muss ich bald wieder meine Elite-Krieger bezahlen. Hyperborea heuert Conan für einen Feldzug in Zamora an, und meine fliehenden Truppen können nur noch den Rauch der brennenden Festungen und Städte sehen, als sich die Hyperboreaner die Provinz unterwerfen. Conan der Söldner ist wahrlich ein furchterregender Kämpfer.

Eine aquilonische Tragödie in zwei Akten: Der Feldzug in die piktische Wildnis.

Eine aquilonische Tragödie in zwei Akten: Der Feldzug in die piktische Wildnis.

Fern im Westen versucht Aquilonien sich die Pikten Untertan zu machen. Conan begleitet auch dort den ersten Feldzug, der jedoch ins Stocken gerät und nicht weitergeführt werden kann. Gelangweilt vom Lagerleben wandert Conan weiter. Die eintreffenden Verstärkungen führen die Kampagne im nächsten Jahr ohne seine Unterstützung fort- in die totale Katastrophe. Eine volle aquilonische Legion verschwindet trotz Spionen, Kundschaftern und bossonischen Bogenschützen auf Nimmerwiedersehen in der piktischen Wildnis. Das wirft das aquilonische Reich weit zurück, und es tut sich schwer, sich von diesem Schlag zu erholen.

Conan überschreitet das Ende der Erfahrungsleiste und beendet damit das Spiel.

Conan überschreitet das Ende der Erfahrungsleiste und beendet damit das Spiel.

Conan sammelt nun sehr schnell Erfahrung und steigt zum General auf. So schnell, dass das Ende seiner Erfahrungsleiste (und damit das Spielende) in Sicht kommt, bevor wir überhaupt das dritte Zeitalter erreicht haben. Stygien wirft nun seine riesigen Armeen in die Schlacht – angeführt von General Conan! Aquiloniens stattliche Streichtmacht hat diesem Heer nichts entgegen zu setzen und muss sich aus Koth zurückziehen. Dafür erringt das Reich des Löwen ein paar kleinere Erfolge gegen Hyperborea im Norden, und auch ich kann mit Turan zumindest Zamora wieder zurückgewinnen. Außerdem sammle ich langsam aber stetig Conans Abenteuer-Marker.

Ein magerer Punkt entscheidet über Sieg und Niederlage.

Ein magerer Punkt entscheidet über Sieg und Niederlage.

Gerade noch rutschen wir ins dritte Zeitalter, aber die neuen Truppen kommen nicht mehr zum Einsatz, denn schon zwei Züge später erreicht Conan den Gipfel seiner Laufbahn und das Spiel ist zu Ende. Keines unserer Reiche konnte ihn krönen, also wird gleichmäßig abgerechnet. Stygien, dass am Ende des ersten Zeitalters noch die wenigstens Punkte hatte, holt stark auf, und am Ende ist es ein einziger Punkt, der Turan, und damit mich, zum Sieger des Spiels macht. Mit 46 Punkten gewinne ich gegen Stygiens 45.

Hyperborea, das seine gerade neu aufgestellten Truppen wegen des schnellen Endes nicht mehr einsetzen konnte, und Aquilonien, das sich nicht richtig von seiner Niederlage in der Piktischen Wildnis erholt hat, landen bei 39 und 40 Punkten.

Die liebliche Prinzessin Yasmina schmachtet immer noch nach Conan .

Die liebliche Prinzessin Yasmina schmachtet immer noch nach Conan .

Nicht ganz unschuldig am meinem Sieg ist die liebliche Prinzessin Yasmina. Ihre zwei Punkte für „Frauen“ brachten mir die Mehrheit in dieser Kategorie und damit 5 Punkte – deutlich mehr als mein Vorsprung. Danke Yasmina!

Fazit

Dies ist keine Rezension, weil mir eine Parte nicht reicht, die Erweiterung abschließend zu beurteilen. Zumal wir einige Elemente noch weggelassen haben: Götter, Rollen für Conan, alternative Artefakte, usw. Aber das, was die Erweiterung versprach, hat sie gehalten: Conans Rolle ist deutlich ausgebaut, und das hat mir sehr gut gefallen. Die Spione waren auch sehr interessant, da sie die Konflikte zwischen den Spielern befördern und frühe unglückliche Niederlagen vermeiden können.

General Conan führt die Stygier zum Sieg über Aquilonien und erobert Koth.

General Conan führt die Stygier zum Sieg über Aquilonien und erobert Koth.

Ich bin nicht ganz sicher, ob das kurze Dritte Zeitalter unserem Würfelglück oder -pech geschuldet ist. Wahrscheinlich eher eine Regel, die wir übersehen haben – wir haben Conans Stimmung nicht nach seinen Abenteuerwurf weiter gerückt, wodurch die irgendwann auf dem besten Bonus stehen geblieben ist, und die Abenteuer leichter bestehen konnte. Ausgemacht hat uns das eher nichts, denn das Spiel hat so auch lange genug gedauert (wegen Regelerklärungen und zahlreichen Raucherpausen). Weiter Spiele werden das (hoffentlich) klarer zeigen.

Vielen Dank auf jeden Fall an Erik, Nico und Christian für einen weiteren tollen Brettspieltag! Diesmal musstet ihr die Knie vor dem turanischen Thron beugen, bei Crom!

PS.: Inzwischen habe ich gemerkt, was wir falsch gespielt haben. Die Nicht-Conan-Spieler können in jedem Zug Story-Cards spielen, nicht nur wenn sie Conan-Aktionen wählen. Mit der können sie stattdessen Abenteuer-Marken bekommen. Das verlängerte die Zeitalter deutlich. Dadurch war es kein Wunder, dass Conan seine maximale Erfahrung so schnell erreichte.

In gespannter Erwartung: Star Wars Rebellion

Das deutsche Titelbild für Star Wars Rebellion

Das deutsche Titelbild für Star Wars Rebellion

Science Fiction? Star Wars? Falsches Genre, falsches Universum! Vielleicht, aber es ist mal wieder Zeit einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Allerdings noch nicht in Form einer Rezension, sondern als kleine Vorschau auf ein noch nicht erschienenes Spiel.

Warum diese besondere Aufmerksamkeit? Na ja, als Fantasy Flight Games vor ein paar Monaten dieses Spiel ankündigte, war ich mehr als interessiert. Ein 2-Personen Strategiespiel, das auf einem der beliebtesten Franchises dieser Welt basiert, mit zwei Fraktionen, von denen die gute, militärisch deutlich unterlegene Seite gegen einen übermächtigen, finsteren Gegner kämpft? Mit einem geheimen Aspekt, nach die Bösen mit aller Macht suchen? Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor?

Rebellenanführer

Anführer der Rebellion am Beginn des Spiels

Tatsächlich sind die Parallelen zwischen Rebellion und dem Ringkrieg nicht von der Hand zu weisen. Aber wenn FFG vielleicht vom Konzept meines Lieblingsspiel inspiriert war, sind die tatsächlichen Regelmechanismen doch komplett andere. Das könnt ihr im öffentlich zugänglichen Regel PDF nachlesen. Aber spannend hört es sich an, wenn die Suchdroiden des Imperiums auf der Suche nach der geheimen Basis die Galaxis durchkämmen, während die Rebellion versucht, genug Missionen zu erfüllen, um das den Aufstand gegen den Imperator voll zu entfachen. Interessant ist auch, das die Charaktere, Helden wie Schurken, die zentralen Steuerelemente des Spiels sind, indem sie erlauben, verschiedene Aktionen auszuführen. In dieser Hinsicht erfüllen sie eine ähnliche Funktion wie die Aktionswürfel im Ringkrieg.

Rebellenbasis

Das Imperium hat die geheime Basis der Rebellen gefunden!


Ein paar Dinge gibt es in den Regeln, die mich glauben lassen, dass Rebellion nicht ganz die Perfektion des Ringkriegs erreichen wird.
1. Jede Seite hat nur eine Siegbedingung. Diese sind zwar asymmetrisch, so dass beide gleichzeitig nahe am Sieg sein können, aber wenn eine Seite durch Pech hinterher hinkt, hat sie keine zweite Siegbedingung, auf die sie ausweichen kann.
2. Die Doppelfunktion der Karten im Ringkrieg bedeutet, dass man ständig ziemlich schwere Entscheidungen treffen muss: Spiele ich diese Karte nun im Kampf, oder bewahre ich sie für ihr Ereignis auf? Etwas Entsprechendes gibt es in Rebellion nicht, da alle Karten nur eine Funktion haben.
3. Charaktere können nicht sterben (allerdings gefangen genommen werden). Das Opfern eines der Gefährten im Ringkrieg ist immer ein harte Entscheidung, von der es kein Zurück gibt. Dass man Grandmoff Tarkin nicht auf Dauer ausschalten kann, wie es mit Saruman möglich ist, ist schon ein bisschen schade.

Miniaturen

Ganz viel Plastik!


Ich bin auf jeden Fall sehr auf Rebellion gespannt, die ersten Berichte und Rezensionen sind vielversprechend. Das Spiel ist nicht ganz billig – €70 bis €80 muss man auf jeden Fall investieren – aber die Ausstattung ist grandios, mit einem riesigen Spielplan und massenweise wunderbarer Plastikfiguren, vom Rebellen-Soldat über TIE-Jäger, Sternenzerstörer bis hin zu mehreren (!) Todessternen. Ich habe die englische Version vorbestellt, und werde sie, wenn alles glatt geht, Anfang Mai in den Händen halten. Dann gibt es bestimmt einen Spielbericht und eine Rezension.

Auf Boardgamegeek findet ihr schon zahlreiche Rezensionen und Videoberichte. In diesem Sinne, möge die Macht mit Euch sein!

Rezension: Conquest of Nerath

Cover

Das großartige Cover von Conquest of Nerath

Es ist mal wieder Zeit für einen Blick auf ein anderes Spiel als den Ringkrieg, und diesmal werde ich mein kritisches Auge auf ein anderes, von Plastikfiguren überquellendes Fantasy-Strategiespiel richten: Das D&D-Brettspiel Conquest of Nerath.

Das Spiel erschien 2011 im Zuge von Wizards of the Coasts Initiative, D&D mehr auf dem Brettspielmarkt zu etablieren (um dieselbe Zeit erschien mit Castle Ravenloft der erste der kooperativen Dungeon Crawler unter dem D&D Label). Es kommt klar aus der Tradition des sogenannten „Ameritrash“ Spiele und zieht seine Inspiration aus Klassikern wie Risiko und insbesondere Axies & Allies.

CoN Aufbau

Die Startaufstellung

Übersicht

Conquest of Nerath ist ein 4-Personen Spiel, in dem vier Reiche um die Vorherrschaft in einer Fantasywelt streiten. Wahlweise kann man es zwei gegen zwei (Gut gegen Böse) oder jeder gegen jeden spielen. Auch zu zweit oder dritt ist es spielbar, indem einer oder beide Spieler zwei Parteien übernehmen. Reihum handeln die Spieler Ereigniskarten ab, bewegen ihre aus unterschiedlichen Einheiten und Monstern bestehenden Armeen, schlagen Schlachten gegen die anderen Reiche, durchsuchen Dungeons nach magischen Artefakten, nehmen Gold ein und geben es wieder aus, um neue Truppen anzuheuern. Dabei sammeln sie Siegpunkte, und derjenige, der je nach gewünschter Länge des Spiels zuerst eine bestimmte Anzahl erreicht hat, hat gewonnen.

Monsters And Troops

Monsters und Fußtruppen der verschiedenen Reiche

Das Spielmaterial

Nachdem man seine Augen lange genug an dem wirklich hervorragenden Cover ergötzt und die Schachtel geöffnet hat, sieht man sich einer der größten Stärken dieses Spiels gegenüber, nämlich der üppigen Ausstattung und dem wirklich wunderschön gestaltetem Spielmaterial. Die Plastikfiguren sind nicht nur detailliert (und laden mal wieder zum Anmalen ein), sondern zeigen auch teilweise unterschiedliche Figuren für die verschiedenen Reiche. So hat z.B. das böse Empire of Karkoth Skelettkrieger als Fußtruppen und riesige Oger als Monster, während die Elfen von Vailinn Bogenschützen bzw. Baumhirten für dieselben Arten von Einheiten haben. Ich habe die Figuren für mich noch ein wenig aufgewertet, indem ich die Drachen (natürlich gibt es Drachen!) auf Flugbasen gesetzt habe, so dass sie wunderbar majestätisch über dem Spielfeld schweben.

Insert

Alles ist sortiert und ordentlich eingeräumt.

Karten und Marker sind von vorbildlicher Qualität, und nur von den Würfel sind etwas zu wenige vorhanden. Da es sich aber um Standardwürfel (w6, w8, w10, w12 und w20) handelt, kann man sich leicht ein paar dazu kaufen. Der Spielplan ist wunderschön gestaltet und hat die praktischerweise Startaufstellung dezent aber gut erkennbar mit aufgedruckt. Das Regelbuch ist übersichtlich und gut strukturiert. Besonders erwähnen muss man den Schachteleinsatz. Ich besitze kein anderes Spiel, das so einen gut entworfenen Einsatz hat, in dem man alle Teile gut und praktisch unterbringen kann. Ein Highlight des Schachteldesigns!

Die Regeln

Event Card

Ein typisches Ereignis für das Imperium von Karkoth

Die Regeln von Conquest of Nerath sind sehr klassisch und traditionell. Reihum durchläuft jeder Spieler in seinem Zug alle der folgenden Phasen: Ereignis, Bewegen, Kämpfen, Umgruppieren, Produzieren, Einkommen. Das modernste daran ist noch die Ereignisphase, denn jedes Reich hat seinen eigenen Kartenstapel mit spezifischen, immer positiven Ereignissen. Manche werden auch nicht sofort gespielt, sondern können für einen späteren Zeitpunkt aufgespart werden.

Iron Circle

Die Startaufstellung begünstigt sofortige Konflikte

Danach kann der Spieler alle (!) seiner Einheiten entsprechender ihrer Bewegungsweite bewegen oder über Schiffe transportieren. Anschließend werden in Phase 3 überall dort, wo feindliche Einheiten in einer Region zusammen stehen, Schlachten ausgetragen. Kämpfe sind einfach aber clever geregelt. Jede Einheit hat eine bestimmte Art Würfel, die für sie geworfen wird, aber es ist immer eine 6 oder mehr, die man für einen Treffer erreichen muss. Dadurch trifft ein Drache (w20) deutlich häufiger als ein Fußsoldat (w6). Für jeden Treffer entfernt der Gegner dann eine Figur (nur Drachen halten zwei Treffer aus) und das geht so weiter, bis eine Seite ausgelöscht ist. Nur der Angreifer darf sich zurückziehen, nicht der Verteidiger.

Dungeon

Uh oh, ob die beiden das schaffen werden?

Das Erforschen von Dungeons ist in diese beiden Phasen integriert. Man kann bestimmte Einheiten (Zauberer und Kämpfer) auf die Dungeon-Felder ziehen. Auf diesen liegen ein oder zwei Wächter-Plättchen, die auf der Rückseite ein Monster und seine Kampfstärke zeigen. Wenn die Helden eine Schlacht gegen diesen Wächter gewinnen, darf der Spieler eine Schatzkarte ziehen. Schätze sind Siegpunkte wert und haben (meistens) einen mehr oder weniger starken Spieleffekt.

Nach der Kampfphase können fliegende Monster noch einmal bewegt und umgruppiert werden, und Helden verlassen die Dungeons. Dann kann der Spieler aus seiner Staatskasse neue Truppen kaufen und in der Nähe seiner Burgen platzieren. Zum Schluss bekommt er noch Einkommen für seine besetzten Gebiete: einfach 1 Gold pro Region. Dann ist der nächste Spieler an der Reihe.

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Die Regeln werden von vielen Beispielen begleitet. Vorbildlich.

Die Organisation einer Spielrunde in einzelne, umfassende Spielerzüge bedeutet leider, dass es recht lange dauert, bis man wieder an der Reihe ist. Modernere Spiele umgehen das, indem sie in jeder Phase jeden Spieler agieren lassen und ein Spieler auch nicht alle Einheiten auf einmal aktivieren kann. Da ist Conquest of Nerath leider ganz „Old-School“.

Das Spiel ist ganz auf aggressive Konflikte ausgelegt, um Einigeln und Abwarten zu vermeiden und das Spielgeschehen zu beschleunigen. Siegpunkte gibt es nur für das Erobern fremder Territorien. Wenn man seine eigenen Gebiete zurückerobert, gibt es keine. Auch dass der Verteidiger sich nicht aus einem Kampf zurück ziehen kann, dient diesem Zweck. Einen beträchtlichen Anteil seiner Siegpunkte kann man aus gefundenen Schätzen beziehen, was das Erforschen der Dungeons zu einem durchaus wichtigen Bestandteil des Spiels macht. Die für einen Sieg notwendige Anzahl an Siegpunkten ergibt sich daraus, wie lange man spielen will. Für ein kurzes Spiel sind 13 Siegpunkte empfohlen bzw. 20, wenn man 2-gegen-2 spielt, und 20 bzw. 30 für ein mittellanges Spiels. Nur wenn man eine ganz lange Partie bevorzugt, schlagen die Regeln vor, solange zu spielen, bis man alle Hauptstädte der Gegner erobert hat oder 8 bzw. 12 Schätze sein eigen nennt.

Drachen

Drachen auf Flugbasen sind nochmal so beeindruckend.

Spielgefühl und Fazit

Grundsätzlich ist Conquest of Nerath ein durchaus einfaches Spiel. Es ist schnell erklärt, und spielt sich im Einzelnen durchaus flott. Insbesondere die Kämpfe sind nett, denn durch die große Anzahl verschiedener Einheiten sind sie durchaus taktisch, aber leicht abzuhandeln, weil man einfach für jede Einheit einen eigenen Würfel wirft, deren Ergebnis man schnell und einfach ablesen kann. Strategisch muss man sich entscheiden, ob man sich auf militärische Eroberungen konzentriert, mehr auf Schatzjagd geht oder ein Gleichgewicht zwischen beidem sucht. Da jeder Spieler auf jeden Fall zwei feindliche Nachbarn hat, muss man auch da gut überlegen, gegen wen man offensiv vorgeht und gegen wen man sich nur verteidigt.

CoN

Ein spaßiges Spiel mit viel Flair, aber etwas zu viel Downtime.

Durch die Dungeons und ihre Wächter, die Schätze und die verschiedenen Einheiten von Zauberern, über Monster und Sturmelementare bis zu den Drachen kommt eine schöne Fantasy-Atmosphäre auf. Die unterschiedlichen Ereigniskarten transportieren auch einen markanten Flair der verschiedenen Reiche. Das untote Imperium von Karkoth kann magische Seuchen bei seinen Nachbarn auslösen oder gefallene Soldaten nach einer Schlacht als Skelettkrieger wiederbeleben. Die seefahrenden Elfen von Vailinn haben viele Karten, die ihre Macht und Bewegung auf dem Meer verbessern, während der Iron Circle auf die Kampfstärke seiner Orks, Goblins und Golems setzt. Dagegen können die Menschen von Nerath Aufstände in von Feinden besetzten Territorien auslösen oder einzelne Helden zur Verstärkung herbeirufen.

Diesem flüssigen und atmosphärischen Spiel steht leider die etwas altbackene Aufteilung der Spieleraktivität entgegen, wodurch man gerade im 4er-Spiel ziemlich lange Wartezeiten zwischen seinen Zügen hat. Hier hätte ich mir ein moderneres Regeldesign gewünscht. Immer wieder geht mir durch den Kopf, dass mit einer Regelung wie den Aktionswürfeln im Ringkrieg oder Conan das Spiel ein wirklich großartiges 4er-Strategiespiel sein könnte. So ist es zwar durchaus spaßig und auch immer wieder ein Spiel, das ich gerne mitspiele, erreicht aber bei weitem nicht die Klasse des Ringkriegs.

Conquest of Nerath wird schon seit einiger Zeit nicht mehr aufgelegt. Da es aber nie ein großer Verkaufserfolg war, sehe ich es häufig in Spieleläden oder -messen im Angebot zu einem günstigen Preis. Wer Lust auf eine große Fantasy-Plastik-Schlachtplatte hat, und dem ein bisschen Wartezeit und altmodische Regeln im Spiel nichts ausmachen, der sollte die Augen offenhalten und bei einer guten Gelegenheit zuschlagen.

Anmerkungen: Das Spiel ist nur auf Englisch erschienen und wurde nie ins Deutsche übersetzt. Beim Esoteric Order of Gamers gibt es eine sehr nützliche Spielübersicht.

Conan in Mittelerde

Conan Box

Titelbild von Conan – Das Zeitalter der Kriege

Anlässlich des aktuellen Kickstarters der auf seine letzten beiden Tage zugeht, habe ich eine Rezension zu „Conan – Zeitalter der Kriege“ verfasst. Auch wenn es direkt nicht in die Ringkrieg-Reihe gehört, ist es doch von denselben Autoren, erscheint im selben Verlag und benutzt ein paar ähnliche Regelmechanismen.

Wie findet ihr das? Sähet ihr auf dieser Webseite gerne mehr Vorstellungen von Spielen, die in eine Ähnliche Richtung wie der Ringkrieg gehen? Oder soll ich mich lieber auf den Ringkrieg und seine Ableger beschränken?