Conan – Zeitalter der Kriege

„Crom war der oberste von ihnen. Er war auf einem hohen Berg zu Hause, von wo aus er Tod und Verderben schickte. Es war nutzlos, Crom um etwas anzuflehen, denn er war ein düsterer, wilder Gott und verachtete Feiglinge. Aber er verlieh einem Knaben bei der Geburt Mut und den Willen und die Kraft, seine Feinde zu töten. Das war nach der Ansicht des Barbaren alles, was man von einem Gott erwarten sollte.“

Der Turm des Elefanten, Robert E. Howard

Conan Box

Titelbild von Conan – Zeitalter der Kriege

Conan? Was hat der Urvater aller Lendenschurz-bewehrten Barbaren mit dem Ringkrieg zu tun? Er selbst vielleicht nicht viel, das Spiel Conan – Zeitalter der Kriege aber eine ganze Menge. Erstens ist es vom selben Autorenteam (Roberto di Meglio, Marco Maggi und Francesco Nepitello) und erscheint beim selben Verlag (ursprünglich Nexus, nun Ares Games), zweitens werden in beiden Spielen ähnliche Regelmechanismen verwendet, insbesondere die Aktionswürfel, und drittens würde ich beide Spiele der gleichen Kategorie zuordnen: nämlich dem klassischen Fantasy-Eroberungs-Strategiespiel.

KS_largeDeswegen und aus aktuellem Anlass – der Kickstarter für eine Erweiterung des Spiels befindet sich in der Endphase – will ich Conan – Zeitalter der Kriege hier vorstellen. Ich denke, die meisten, denen der Ringkrieg gefällt, werden auch Interesse und Spaß an diesem Design des italienischen Trios von Spieleentwicklern haben.

„In diesem Zeitalter der aufstrebenden Imperien, der heroischen Taten und der abscheulichen Verbrechen tritt Conan der Cimmerier auf – schwarzhaarig, mit düsterem Blick, das Schwert in der Hand; ein Dieb ein Plünderer, todbringend, schwermütig und doch voller Lebensfreude – ein Held, der die juwelenbesetzten Throne dieser Erde unter seinen Sandalen zermalmt.“

Conan Figur

Conan der Cimmerier

Übersicht

Im Gegensatz zum Ringkrieg ist Conan kein Zweierspiel. Man kann es zwar auch zu zweit spielen, aber deutlich besser funktioniert es mit drei oder noch besser vier Teilnehmern. Die Spieler übernehmen dabei die Rolle verschiedener hyborischer Imperien: Aquilonien, Turan, Stygien und Hyperborea. Sie versuchen in Konkurrenz zueinander die umliegenden Reiche militärisch zu unterwerfen oder durch Allianzen an sich zu binden und damit möglichst viele Siegpunkte zu erringen.

Conan selbst ist ein Joker im Spiel, der mal von einem Spieler gesteuert, mal von einem anderen, von Abenteuerschauplatz zu Abenteuerschauplatz wandert. Seine Abenteuer bringen dem Spieler, der ihn kontrolliert, Trophäen, seine Anwesenheit generiert störende Plünderungen in den Provinzen der Feinde, und sollte Conan sogar in einer Schlacht zugegen sein, bringt das dem, der ihn kontrolliert, deutliche Vorteile. Gegen Ende des Spiels kann man versuchen, den Cimmerier zum Herrscher des eigenen Reiches zu machen. Aber Vorsicht! Sollte das schief gehen, hinterlässt Conan das Reich in Chaos und Anarchie – und man hat jede Chance auf einen Sieg verloren.

Spielmaterial

Abgesandte

Die Abgesandten der vier verschiedenen Imperien sind wunderbar individuell gestaltet.

Auch Conan – Zeitalter der Kriege kommt mit der üblichen hochwertigen Ausstattung des Nexus/Ares Games Verlags daher. Ein großformatiger Spielplan zeigt die westliche Hälfte von Conans Welt, aufgeteilt in die Imperien der Spieler und zahlreiche Provinzen. Jedes Imperium hat einen Satz detailliert modellierter Figuren, die seine Truppen, Abgesandten, Türme und Festungen darstellen. Dabei sind die Truppen und Abgesandten für jedes Reich unterschiedlich und passend zum Hintergrund gestaltet. Türme und Festungen lassen sich zusammenstecken, um so eine Stadt darzustellen. Dazu kommen neutrale Figuren für Conan selbst und das Ziel seines jeweiligen Abenteuers, ein Obelisk.

Ein weiteres Herzstück des Spiels sind die Aktions- und Kampfwürfel. Wie im Ringkrieg geben die Aktionswürfel den Spieler die möglichen Aktionen vor, und diese Suchen sich reihum eine Möglichkeit aus. Anders ist allerdings, dass es hier nur einen Pool von Aktionswürfeln gibt, der Anfang einer Runde geworfen wird, und aus dem sich alle Spieler bedienen. Es gibt also in dieser Hinsicht keine Asymmetrie zwischen den Spielern.

Die Würfel

Aktionswürfel (blau) und Kampfwürfel (rot)

Die Kampfwürfel sind – anders als im Ringkrieg – auch keine Standardwürfel. Die verschiedenen Symbole stellen Treffer für verschiedene Situationen dar. So gibt es Symbole, die immer als Treffer gelten, andere die nur zählen, wenn man Angreifer ist oder Conan an der Schlacht teilnimmt, usw. Das integriert sich hervorragend in die Kampfregeln, so dass man nie rechnen muss, ob nun eine 4, eine 5 oder gar nur eine 6 ein Treffer wäre.

Dazu kommen einen Menge verschiedene Karten und Pappmarker, durchgehend sehr schön gestaltet und illustriert. Nexus konnte sich damals wohl die Möglichkeit sichern, teilweise Zeichnungen aus den Conan-Comics von Dark Horse Comics zu verwenden, was die grafische Gestaltung sehr beeindruckend macht. Jedes Imperium hat einen eigenen Satz an Karten, die es im Spiel verwenden kann. Hierdurch werden die Reiche schön individualisiert. So hat Stygien zum Beispiel viele Karten, die mit Magie zun tun haben, während Aquiloniens Möglichkeiten sich mehr auf Militär und Verwaltung der Provinzen konzentrieren.

Der Spielablauf

Spielbrett

Der Spielplan

Ich werde nicht auf die Regeln im Einzelnen eingehen – das würde zu weit gehen – sondern nur einen allgemeinen Überblick über den Spielablauf geben. Das Spiel ist in drei große Abschnitte eingeteilt, sogenannte Zeitalter. Zu Beginn jedes Zeitalters werden Conans kommende Abenteuer bestimmt, Artefakte verteilt, und der erste Conan-Spieler bestimmt (der den Cimmerier kontrolliert). Am Ende werden dagegen Punkte gezählt und die Reiche durch Steuern, neue Truppen und Städte konsolidiert.

Dann werden einmal die Aktionswürfel geworfen und es beginnt mit den Zügen der Spieler. Je nach gewähltem Aktionswürfel kann ein Spieler unterschiedliche Aktionen ausführen. Eine Fürstenhof/Conan-Aktion erlaubt es Conan zu ziehen (wenn man Conan-Spieler ist), und Karten zu spielen oder zu ziehen. Mit der Intrige-Aktion rekrutiert, bewegt oder verwendet man Abgesandte, die neutrale Provinzen durch Allianzen ins eigene Reich einverleiben oder auch Allianzen der Mitspieler mit diesen Provinzen zerstören können (ein sogenannter Intrige-Kampf). Armee-Aktionen regeln die militärische Seite des Spiels. Mit ihr zieht man seine Armeen, unterwirft durch Feldzüge neutrale Provinzen oder greift die Armeen oder Provinzen anderer Spieler an (Feldschlachten und Belagerungen). Manche Würfel erlauben die Wahl zwischen verschiedenen Aktionen (Armee/Intrige und der Joker), wobei man aber niemals solch einen Würfel für eine Aktion verwenden darf, wenn diese Aktion auch noch über einen „normalen“ Würfel verfügbar ist.

Spielmaterial

Das Spielmaterial in Aktion

Sowohl Intrige-Kämpfe als auch militärische Konflikte werden mit den Kampfwürfeln ausgetragen. Die Stärke des Angreifers bzw. des Verteidigers gibt an, wie viele Würfel er werfen darf. Dazu kann man Strategie-Karten spielen, wenn die Region bzw. die Geländeart zur umkämpften Provinz passt, um so die Anzahl der Symbole zu erhöhen, die als erfolgreiche Treffer dienen. Die Seite, die mehr Treffer würfelt gewinnt, bei Gleichstand geht der Kampf an den Verteidiger. In einer Intrige übernimmt nun der Angreifer die Kontrolle über die Provinz, bzw. entfernt die Kontrolle eines gegnerischen Spielers.

Obelisk

Der Obelisk markiert Conans Ziel

Militärische Konflikte sind komplexer und erstrecken sich gegebenenfalls über mehrere Runden, je nachdem ob ein Feldzug, eine Feldschlacht oder eine Belagerung stattfindet. Auf Feldzügen rückt der Angreifer auf das nächste Geländefeld der Provinz vor und muss dort weiterkämpfen. Erst wenn diese abgearbeitet ist, ist die Provinz unterworfen. Bei einer Belagerung (Angriff auf eine Provinz eines Mitspielers) wird die Provinz wieder neutral. Danach und nach einer erfolgreichen Feldschlacht (Angriff auf eine feindliche Armee in einer neutralen Provinz) muss ein neuer Feldzug gestartet werden, um die Provinz selbst zu unterwerfen.

Unterdessen darf man Conan und seine Abenteuer nicht vernachlässigen. Der aktuelle Conan-Spieler hat die größte Kontrolle über den Barbaren und muss sich üblicherweise entscheiden, ob er ihn in umkämpfte Provinzen zieht, wo er militärisch hilft, oder in Richtung seines Abenteuerzieles bewegt. Für letzteres gibt es Belohnungen in Form von Trophäen (Gold, Frauen und erschlagene Monster). Aber auch die anderen Spieler können diese Trophäen erlangen und wer in einer der Kategorien die Mehrheit an Trophäen hat, bekommt am Ende des Spieles zusätzliche Siegpunkte und die Chance, Conan zum König zu krönen.

Conan in Aquilonien

Conan in Aquilonien

Erreicht der Cimmerier sein Ziel, oder bricht das Abenteuer ab, wird ein neuer Conan-Spieler bestimmt. Dafür bieten die Spieler geheim mit Hilfe von Strategiekarten und ihren Gebotsmarkern. Letztere stehen nur begrenzt zur Verfügung und man muss sich gut überlegen, wann und wie man seine besseren Marker einsetzt, um sie nicht zu verschwenden. In jedem Zeitalter hat Conan vier Abenteuer zu bestehen und dient dadurch als Zeitmesser des Spiels. Sind die vier Abenteuer abgearbeitet, endet das Zeitalter und ein neues beginnt bzw. am Ende des Dritten entscheidet sich das Spiel.

Imperiumspunkte

Erste Schritte auf dem Weg zum Sieg.

Um der Sieger des Spiels zu sein, muss an nun die meisten Siegpunkte haben. Diese erhält man durch erfolgreiche Feldzüge (abhängig von der Bedeutung der Provinz) und das Erfüllen von Aufgabenkarten, die für jedes Zeitalter zufällig bestimmt werden. Außerdem gibt es Bonuspunkte wenn man das meiste Gold angehäuft hat, die meisten Feinde erschlagen, oder die Mehrheit einer Sorte von Conan-Trophäen besitzt. Zu guter Letzt gibt es nochmal Punkte, wenn Conan zum König des eigenen Reiches gekrönt – und dies verhindert, dass andere Spieler Punkte für Conan-Trophäen bekommen. Es ist also nicht sicher, dass man mit Conan als König das Spiel gewinnt, aber es gibt einen kräftigen Bonus. Eine Partie dauert üblicherweise um die zwei Stunden bis zweieinhalb Stunden.

Spielgefühl

Kickstarter Inhalt

Inhalt der Erweiterung und ausstehende Stretch Goals.

Conan – Zeitalter der Kriege ist ein ziemlich taktisches Spiel. Man muss sich gut überlegen in welche Richtung man seine Strategie richtet. Konzentriere ich mich auf die miltärische Eroberung um möglichst viele Imperiumspunkte durch Feldzüge zu erlangen? Baue ich mein Reich zuerst durch die leichter zu erreichenden Allianzen aus und ziele auf die Aufgaben, die es zu erledigen gibt? Oder setze ich meine Hoffnung auf Conan und treibe seine Abenteuer voran?

Drei Zeitalter um seine Strategie durchzusetzen klingt erst einmal viel, aber wie sich im Spiel herausstellt, sind diese ziemlich schnell vorüber. Während des ersten und Teilen des zweiten sind die Spieler meistens damit beschäftigt Allianzen zu schmieden und neutrale Provinzen zu unterwerfen, so dass es erst im letzten Drittel des Spiels zu direkten Auseinandersetzungen zwischen den Spieler kommt. Manchen sehr Konflikt-orientierten Spieler mag das zu wenig sein, aber unsere Spielrunde hat das nie als ein Manko empfunden.

Eher bedauern wir manchmal das Conan keine größere Rolle im Spiel zu kommt. Sicher, seine Abenteuer bestimmen die Länge des Spiels und die Trophäen sind nicht unwichtig für den Sieg. Da sich das aber zum großen Teil auf das Ziehen von Conan in eine bestimmte Richtung und das Einsammeln der Trophäenmarker beschränkt, ist es nicht sehr abwechslungsreich. Seine militärische Rolle ist nicht groß genug und kommt zu selten zum Tragen, als dass das ein Ausgleich wäre.

Deswegen ist die kommende Erweiterung „Adventures in Hyboria„, deren Kickstarter sich gerade dem Ende zuneigt, so interessant für mich. Sie baut Conans Rolle im Spiel offensichtlich erheblich aus und könnte das Spiel noch viel stimmungsvoller im Sinne seiner Vorlage machen. Während ich dies tippe, wird gerade das Stretch Goal erreicht, das eine Übersetzung aller Spielkomponenten in andere Sprachen (Deutsch ist natürlich dabei) sicherstellt.

Fazit

Ich bin nicht ein ganz so großer Conan- wie Herr-der-Ringe-Fan, aber mag die Geschichten von Robert E. Howard auch sehr. Das Brettspiel hat mich immer fasziniert, aber es nicht so häufig auf unserem Spieltisch gelandet, wie ich mir gewünscht hätte – obwohl es immer gut ankam, wenn es denn gespielt wurde. Es hat vielleicht einfach der letzte entscheidende Funke gefehlt, und ich hoffe, dass die Wiederbelebung bei Ares Games und die neue Erweiterung dieser Funke sein wird. Idee und Umsetzung dieses Eroberungsspiels sind auf jeden Fall hervorragend und verdienen es häufiger gespielt zu werden!

Bei Crom, das muss doch möglich sein!

Die deutsche Ausgabe des Grundspiels kann man immer noch zu recht günstigen Preisen bei verschiedenen Brettspielläden finden. Im Internet zahl man zur Zeit etwa 60-70 Euro für eine originalverpackte Ausgabe, während gebrauchte Exemplare um die €50 kosten.

Letzte Nachrichten: Gerade ist die Alpha-Version der Erweiterungs-Regeln von Ares Games veröffentlicht worden. Man kann sie sich hier herunterladen und anschauen.

Adventures in Hyboria

Die Erweiterung kommt!

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